Heimatgeschichte
Der Bezirk Perm lebt von starken Kontrasten: Eines der größten Düngemittelwerke der Welt befindet sich unmittelbar neben ehemaligen Bergwerkssiedlungen; im Norden ragen die Uralberge auf, mit von der typisch sowjetischen Bauweise unberührten Dörfern; gleich in ihrer Nachbarschaft, inmitten verträumter Wälder, liegen Gefängnisse, an die sich Dissidenten aus früheren Zeiten noch unliebsam erinnern und wo politische Gefangene des modernen Russlands einsitzen.
Ein ähnliches Bild bietet die Stadt Perm: In der Theaterstraße treffen Arbeiter, die aus der Rüstungsfabrik kommen, auf das elegant gekleidete Publikum der Djagilev-Festspiele.
Das Festival hat seinen Radius erweitert: Neben den üblichen Aufführungsorten spielt man in diesem Jahr auch in Lagerhallen am Stadtrand, am Steilufer der Kama sowie in einer Schiffswerft. Eine gigantische, beim Stapellauf von Schiffen verwendete Plattform, die langsam in der Kama versinkt und später – von Seilen gezogen – wieder an der Oberfläche auftaucht, dient hier der Göttin als Weg in die Unterwelt.
Perséphone, das ist Tod und Verklärung. Aber die Aufführung – sie war als Höhepunkt der Festspiele gedacht – vereinfachte das Thema in theatralischer ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Alexej Parin
Der Versuch des Theaters Osnabrück, Jaromír Weinbergers vergessene Oper über Wallenstein, den bekanntesten Heerführer des Dreißigjährigen Krieges, für die Bühne zurückzugewinnen, besaß zwei starke Momente – den schockhaften Beginn und das quälende Ende. Den Anfang setzt nicht die Musik, sondern unter ohrenbetäubendem Sirenenalarm ein optisches Zitat – die «stumme...
Das Warten auf den (musikalischen) Höhepunkt kann in Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» eine halbe Ewigkeit dauern. Am Theater Bremen sind es gerade mal zwei Stunden und 30 Minuten, bis sich die Stimmen von Nerone und Poppea in «Pur ti miro, pur ti godo» ineinander verschlingen dürfen, weil der Komponist das Melos der Musik und der Sprache seiner...
Die französische Mezzosopranistin Eva Zaïcik, eine der schönsten jüngeren Stimmen der Barockmusik, hat ihre neueste CD «Mayrig» mit Liedern der armenischen Komponisten Komitas (1869–1935) und Garbis Aprikian (*1926) den «armenischen Müttern» gewidmet. Das faszinierende Programm, das uns in die ferne, fremde musikalische Welt des Kaukasus entführt, enthält auch...
