Heikle Groteske
In seiner letzten Oper «Der goldene Hahn» erzählt Nikolai Rimsky-Korsakow, frei nach Alexander Puschkins gleichnamigem Versmärchen, eine «unglaubliche Geschichte» (so der Untertitel): Ein Intellektueller, ein Machthaber und eine freie Frau treffen aufeinander. Der Astrologe benutzt den Zaren Dodon, um in den Besitz der Zariza von Schemachan, einer Orientalin, zu gelangen. Doch das Naturwesen lässt sich weder vom altersschwachen Herrscher noch von dem beschränkten, mit einer Kastratenstimme singenden Wissenschaftler einfangen.
Am Ende – nachdem erst der Zar den Astrologen, dann der Hahn den Zaren getötet hat und das Volk ratlos zurückbleibt – verschwindet die Zariza: lachend. Rimsky-Korsakow hat die Perversion der marionettenhaften Zarenherrschaft mit dem karikaturistischen Pomp hohler Märsche, die Faszination der exotischen Zariza mit farbiger Chromatik und glitzernden Koloraturkaskaden eingefangen.
Von der politischen Satire mit ihrer parodistischen Drastik ist in Anna Matisons Inszenierung, die 2014 am Sankt Petersburger Mariinsky-Theater Premiere hatte, nicht viel übrig geblieben. Sie reduziert das rätselhafte, dennoch unmissverständliche Stück auf ein poppig-buntes ...
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Als vor 50 Jahren der Konzertsaal von Snape Maltings in Anwesenheit der Queen mit «A Midsummer Night’s Dream» eröffnet wurde, war das eine Pioniertat. Denn der langgezogene Bau aus viktorianischer Zeit ist eine der ersten Industrieanlagen überhaupt, die – lange bevor dergleichen im Ruhrgebiet inflationär betrieben wurde – eine Umnutzung zur Hochkulturstätte erfuhr....
Das Stück inszeniert sich eigentlich von selbst. Viele Regisseure begnügen sich damit, für Büchners frühen Naturalismus triste Bilder der Hoffnungslosigkeit zu entwerfen, ergänzt um grelle Satiren auf Militarismus, Männergeilheit und wertfrei forschende Wissenschaft. Der gemeine Soldat und Gelegenheitsarbeiter Wozzeck ist Opfer einer menschenverachtenden...
Als Künstlerin war sie von raumgreifender, manchmal erschlagender Kreativität, dabei eine Seele von Mensch – rosalie, wie sie sich als Hommage an ihren Lehrer Jürgen Rose nannte. Aufsehen erregte die 1953 im schwäbischen Gemmrigheim Geborene erstmals 1994, als sie Bühne und Kostüme für den (von Regisseur Alfred Kirchner handzahm inszenierten) Bayreuther «Ring»...
