Haus der Geschichte(n)
Ein nostalgisches Karussell mit bunten Holzpferdchen dreht auf der Bühne seine Runden. «Ringelspiel» nennt man ein solches Kinderkarussell in Österreich. Später kreiselt auch noch der Bühnenboden, aber in die Gegenrichtung. Am Schluss hebt das Dach ab und verwandelt sich in jene Windmühlenflügel, gegen die der Ritter von der traurigen Gestalt Don Quijote vor Jahrhunderten vergeblich ankämpfte. Das alles sieht imposant aus und zeigt, was die nagelneue, tadellos schnurrende Bühnentechnik am frisch sanierten (Musik-)Theater an der Wien so alles draufhat.
Künstlerisch bleibt der Neustart leider etwas matt. Pünktlich zum 200. Geburtstag von Johann Strauss wurde eine seiner vergessenen Operetten ausgegraben: «Das Spitzentuch der Königin» war nach der Uraufführung 1880 am gleichen Ort einer der größten Erfolge des Walzerkönigs.
Die Handlung ist im Portugal des 16. Jahrhunderts angesiedelt, wo ein gewisser Cervantes auftaucht und sich in die Staatsgeschäfte einmischt. Das Land steht unter der Fuchtel eines skrupellosen Premierministers, der junge König frönt hedonistischen (gern außerehelichen) Genüssen, der Fortbestand der Monarchie ist bedroht. Für die Wiener Gesellschaft von 1880 war ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Regine Müller
Gesundheitsapostel hat es schon vor 100 Jahren gegeben. Einer der schlimmsten: Graf Gil, männliche Hauptperson in Wolf-Ferraris Intermezzo «Il segreto di Susanna», uraufgeführt 1909. Der Herr hasst das Qualmen, selbst auf der Straße fühlt er sich vom Tabaksgeruch belästigt, und im eigenen Haus nimmt seine Überempfindlichkeit ehegefährdende Dimensionen an, vermutet...
arte
09.03. – 03.05 Uhr Anna Netrebko – Ein Leben für die Oper
Die Dokumentation zeigt Anna Netrebko als Protagonistin der emotionalsten Opernarien auf der Bühne. Die Sopranistin blickt aber auch hinter die Kulissen und begleitet sich selbst bei den disziplinierten mentalen und physischen Vorbereitungen.
09.03. – 17.25 Uhr
23.03. – 17.25 Uhr
Maurice Ravel zum 150....
Die Einschätzung stammt aus berufenem Munde. Dieter Schnebel war Anfang der 1990er-Jahre der Lehrer von Michael Wertmüller, und was er, ein Dezennium später, wortreich wie bildmächtig zu Protokoll gab, darf mit winzigen sich verändernden Nuancen auch noch heute für den Schweizer Komponisten gelten: Dessen Musik, so Schnebel, sei «einerseits von roher Kraft,...
