Haus der Geschichte(n)
Ein nostalgisches Karussell mit bunten Holzpferdchen dreht auf der Bühne seine Runden. «Ringelspiel» nennt man ein solches Kinderkarussell in Österreich. Später kreiselt auch noch der Bühnenboden, aber in die Gegenrichtung. Am Schluss hebt das Dach ab und verwandelt sich in jene Windmühlenflügel, gegen die der Ritter von der traurigen Gestalt Don Quijote vor Jahrhunderten vergeblich ankämpfte. Das alles sieht imposant aus und zeigt, was die nagelneue, tadellos schnurrende Bühnentechnik am frisch sanierten (Musik-)Theater an der Wien so alles draufhat.
Künstlerisch bleibt der Neustart leider etwas matt. Pünktlich zum 200. Geburtstag von Johann Strauss wurde eine seiner vergessenen Operetten ausgegraben: «Das Spitzentuch der Königin» war nach der Uraufführung 1880 am gleichen Ort einer der größten Erfolge des Walzerkönigs.
Die Handlung ist im Portugal des 16. Jahrhunderts angesiedelt, wo ein gewisser Cervantes auftaucht und sich in die Staatsgeschäfte einmischt. Das Land steht unter der Fuchtel eines skrupellosen Premierministers, der junge König frönt hedonistischen (gern außerehelichen) Genüssen, der Fortbestand der Monarchie ist bedroht. Für die Wiener Gesellschaft von 1880 war ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Regine Müller
Seien wir ehrlich: Den Mann kannten wir bislang nicht. Und auch nicht seine Werke für Orchester, Chor, Klavier und Kammerensembles. Ursächlich für diese sträfliche Repertoire-Lücke ist die traurige Tatsache, dass der kroatische Komponist Blagoje Bersa (1873–1934) zwar in seiner Heimat eine Größe war, jenseits der Grenzen aber kaum rezipiert wurde. Insofern darf man...
Trügerische Dorfidylle. Das große Mühlrad, der kleine Bahnhof, das winzige Kirchlein und ein Pferd, nicht die Kuh, auf dem Dach: Nikolaus Weberns Bühnenbild in Kateryna Sokolovas «Jenůfa»-Inszenierung suggeriert eine gleichermaßen veristisch-naturalistisch wie surrealistische Szenerie – Chagall meets Čapek. Die Kostüme von Constanza Meza-Lopehandias verorten das...
Im alten Reclam-Heftchen mit dem Text der «Meistersinger», das im Besitz seiner Familie war, stand bei Evchens Worten im dritten Aufzug: «O Sachs! Mein Freund! Du teurer Mann!» eine handschriftliche Regieanweisung. Sein Vater hatte sie dort an den Rand gekritzelt – und sie galt als verbindlich für den kleinen Otto und seine Schwester beim frühen Besuch von Wagners...
