Die Hölle sind wir alle

Janáček: Jenůfa am Theater Freiburg

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Trügerische Dorfidylle. Das große Mühlrad, der kleine Bahnhof, das winzige Kirchlein und ein Pferd, nicht die Kuh, auf dem Dach: Nikolaus Weberns Bühnenbild in Kateryna Sokolovas «Jenůfa»-Inszenierung suggeriert eine gleichermaßen veristisch-naturalistisch wie surrealistische Szenerie – Chagall meets Čapek.

Die Kostüme von Constanza Meza-Lopehandias verorten das Geschehen in der tschechoslowakischen Republik der 1920/30er-Jahre, die böhmisch-mährische Landidylle ist einer kleinbürgerlichen Atmosphäre gewichen, die klar signalisiert: Wir wollen keine Provinz sein.

Kateryna Sokolova gelingt mit ihrer nunmehr vierten Regiearbeit am Theater Freiburg eine stringente, vielschichtige Deutung von Janáčeks berühmtester Oper. Es geht um Menschlichkeit und Liebe. Und um die Frage der inneren Freiheit, zumal vor dem Hintergrund patriarchalischen (auch matriarchalischen) Denkens. Ein Höhepunkt: die Szene, in der die Küsterin den fatalen Entschluss fasst, das Kind zu ermorden. Die linke Wand des kargen Zimmers bewegt sich unaufhaltsam auf sie zu, angeschoben von einer in tiefes Schwarz gekleideten Gesellschaft, die sich der Frau in den Weg stellt, als diese aus der klaustrophobischen Kulisse ...

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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Alexander Dick

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