Die Hölle sind wir alle
Trügerische Dorfidylle. Das große Mühlrad, der kleine Bahnhof, das winzige Kirchlein und ein Pferd, nicht die Kuh, auf dem Dach: Nikolaus Weberns Bühnenbild in Kateryna Sokolovas «Jenůfa»-Inszenierung suggeriert eine gleichermaßen veristisch-naturalistisch wie surrealistische Szenerie – Chagall meets Čapek.
Die Kostüme von Constanza Meza-Lopehandias verorten das Geschehen in der tschechoslowakischen Republik der 1920/30er-Jahre, die böhmisch-mährische Landidylle ist einer kleinbürgerlichen Atmosphäre gewichen, die klar signalisiert: Wir wollen keine Provinz sein.
Kateryna Sokolova gelingt mit ihrer nunmehr vierten Regiearbeit am Theater Freiburg eine stringente, vielschichtige Deutung von Janáčeks berühmtester Oper. Es geht um Menschlichkeit und Liebe. Und um die Frage der inneren Freiheit, zumal vor dem Hintergrund patriarchalischen (auch matriarchalischen) Denkens. Ein Höhepunkt: die Szene, in der die Küsterin den fatalen Entschluss fasst, das Kind zu ermorden. Die linke Wand des kargen Zimmers bewegt sich unaufhaltsam auf sie zu, angeschoben von einer in tiefes Schwarz gekleideten Gesellschaft, die sich der Frau in den Weg stellt, als diese aus der klaustrophobischen Kulisse ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Alexander Dick
Dieser Mephisto kommt mir nicht ins Haus!», rief Bertel Braunfels, die Gattin des Komponisten, voller Vorahnung aus, als Adolf Hitler 1920 nach einem Besuch der «Vögel» an Walter Braunfels herangetreten war. Der spätere «Führer» wünschte sich eine Hymne für seine frisch gegründete Partei und hielt den Namen «Braunfels» für urdeutsch, doch der Komponist lehnte ab....
Es ist eine Menge los im neuen Dortmunder «Don Giovanni»: Schon in der Ouvertüre tuscheln der Titelheld und sein Diener auf einer Bank am linken Bühnenrand und brechen in höhnisches Gelächter aus. In rascher Folge huscht auch das übrige Personal herbei. Konstellationen werden angedeutet, stumme Szenen skizzieren die folgenden Turbulenzen. Derweil hat George Petrou...
Die Tragédie en musique «Castor et Pollux» von Jean-Philippe Rameau gehört zu den populärsten Werken des großen Franzosen. Teodor Currentzis und Peter Sellars wählten für ihre Neuproduktion im Palais Garnier die erste, umfangreichere Fassung von 1737. Die fast Wagner’sche Länge dieser Version erlaubte es den Interpreten, sämtliche Facetten von Rameaus zwischen...
