Halbe Strecke

Potsdam | Mozart: Le nozze di Figaro

Opernwelt - Logo

Er ist sich treu geblieben. Hat das gemacht, was er immer macht und so gut kann wie kaum ein anderer. Andreas Dresen hat genau hingeschaut, sich Zeit genommen für «seine» Figuren, ihnen zugehört, mit ihnen gelacht, gelitten und gestritten, bis sie ihm ganz nahe waren. Wie gute Bekannte aus dem Alltag. Wie normale Menschen, die sich ein bisschen Glück wünschen, aber nie den immergrünen Zweig finden, von dem sie träumen.

Vor fünf Jahren hat der in Potsdam lebende Filmregisseur («Nachtgestalten», «Halbe Treppe», «Halt auf freier Strecke») am Theater Basel mit einem unspektakulär schlüssigen «Don Giovanni» gezeigt, dass er auch Oper inszenieren kann (siehe OW 4/2006). Nun stellte er im kleinen Rokoko-Theater des großen Neuen Palais seine zweite Opernarbeit vor.

Auch dem Personal des «Figaro» begegnet Dresen mit der ihm eigenen vorbehaltlosen Sympathie. Niemand wird vorgeführt, abgestempelt, zurechtgestutzt. Der Graf ist nicht nur Schwerenöter und Figaro nicht nur Rebell. In der Gräfin steckt mehr als die eifersüchtige Gattin, und Susanna kennt mehr Gefühle als die für den Verlobten. Sie alle haben ihren Charme, ihre Schwächen, ihre süßen Geheimnisse. Dass es für Figaro nicht rund ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
«Was das für eine Seligkeit ist...»

Felix Mendelssohn Bartholdy war Schüler des Liedmeisters Carl Friedrich Zelter und als solcher natürlich der Kunst des konzentriertesten Ausdrucks zugetan. Doch anders als etwa sein Zeitgenosse Robert Schumann scheint er die Entwicklung des romantischen Lieds kaum vorangetrieben zu haben. Bis vor Kurzem kannte man 79 Sololieder und 18 Duette: «geschliffene...

Es darf gelacht werden

In Gera hat ein neuer, dem dortigen Publikum als Regisseur aber nicht unbekannter Intendant kurzfristig – also ohne jeden Planungsvorlauf – die Leitung des in Finanznöten steckenden Theaters übernommen. An der Komischen Oper Berlin gestaltet ein erfolgreicher, aber dennoch um Zuschauer kämpfender Intendant seine letzte Spielzeit, bevor er an eine größere Bühne...

«Lass mir doch meinen Leichtsinn nur»

Irgendwie sei die Story dann doch ein bisschen dünn, hat jemand handschriftlich im Gästebuch vermerkt, das im Foyer des Osnabrücker Theaters ausliegt. Aber die Aufführung, na ja, die reiße das Ganze schon raus. Das trifft den Kern des Problems – und zielt ebenso haarscharf an ihm vorbei. Operette und tiefschürfend? Man spielte «ein Werk der leichtgeschürzten Muse»,...