Gute Freunde
Die Oper hält, was der Titel verspricht. «Lieder von Vertreibung und Nimmerwiederkehr». Damit beginnt die Münchner Musiktheaterbiennale, Bernhard Gander hat die Musik dafür geschrieben, Serhij Zhadan, geboren im gerade vom Krieg verwüsteten Luhansk, den Text. Natürlich entstand das Werk weit vor dem Beginn von Putins Irrsinn, aber was einem nun mit harschen, archaischen Klängen, mit peitschenden Rhythmen und krachender Wucht eingehämmert wird, wirkt wie ein unmittelbarer Kommentar zum Weltgeschehen – so aktuell politisch kann Musiktheater sein.
Ganders Werk wäre immer politisch, dazu braucht es keinen aktuellen Krieg. Es ist ein Requiem für alle, die ihre Heimat verlieren, vertrieben werden, nicht mehr zurückkönnen. Es braucht dafür drei Solisten, eine (überpathetische) Schauspielerin, einen kleinen Chor sowie die Handvoll Musiker vom Ensemble Modern, angeleitet von Elda Laro. Strukturell und thematisch ist diese Oper prädestiniert dafür, nachgespielt zu werden, vielleicht auch subtiler inszeniert als hier in der Münchner Muffathalle. Die diesjährige Ausgabe der Musiktheaterbiennale trägt den Titel «Good Friends», was naheliegenderweise die Kollaboration der Künstler meint, die ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Egbert Tpoll
JUBILARE
Das sängerische Können des US-amerikanischen Baritons Thomas Jamerson fand von den späten 1960erbis hin zu den 1990er-Jahren viel Beachtung. Richtig prominent trat er 1968 erstmals in Erscheinung als er im Studio die Rolle des Barone Douphol in Verdis «La traviata» mit Georges Prêtre am Pult des RCA Italiana Orchestra an der Seite von Montserrat Caballé...
So etwas gibt es. Alle machen alles irgendwie richtig, und trotzdem fehlt am Ende etwas. Im Falle der neuen Oper des französischen Komponisten und Organisten Thierry Escaich ist das so. Escaich brachte 2013 seinen Erstling «Claude» (auf ein Libretto des ehemaligen französischen Justizministers Robert Badinter) in Lyon heraus – eine musikalisch wie szenisch...
Von Friedrich Schiller stammt der schöne Satz, ernst sei das Leben, heiter sei die Kunst. Schon seine Herkunft verrät die Doppeldeutigkeit des Gemeinten, schließlich beschließt er den Prolog zu Schillers dramatischem Gedicht «Wallensteins Lager», einem Stück, dessen Heiterkeit sich in überschaubaren Bahnen hält. Interessant aber ist gerade die eingeschraubte...
