Gut gemeint
Auf den ersten Blick eine bestechende Idee: Aus den im Orient verschleppten Europäern der Mozart-Oper werden an der Vlaamse Opera Touristen, die irgendwo zwischen Algerien und Jemen Terroristen in die Hände fallen. Was daraus folgen müsste, wäre eine komödiantische Variante des clash of civilizations. Es stellt sich jedoch bald heraus: Die Orient-Klischees des 18. Jahrhunderts stecken viel zu tief in Handlung, Text und (!) Musik, als dass sie sich auf diese Weise überspringen ließen.
Und so begibt sich dann im Wüstencamp unter stahlblauem Himmel (das eindrucksvolle Bühnenbild schuf Christoph Wagenknecht), zwischen Jeeps, Ölfässern und Maschinengewehren, unter Tarnanzug tragenden Milizionären und vollverschleierten Frauen – das in diesem Stück Übliche: Der besoffene Osmin (hier heißt er Osman) legt einen kleinen Bauchtanz hin, Konstanze ringt an der Rampe ihre Hände, der Bassa schreitet wütend aus, Blonde gibt die kratzbürstige Zofe, wenn auch in Tarnfleck. Der Dialog wurde zwar – wir leben im Zeitalter der Globalisierung – in verschiedene Sprachen übertragen (der Herkunft der Figuren entsprechend Spanisch, Englisch und Arabisch). Wie sich die Personen dann aber noch verständigen ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Ingo Dorfmüller
Angesichts der landauf, landab grassierenden «Ring»-Neuinszenierungen hat es eine jede immer schwerer, sich als unverwechselbar zu annoncieren. Die jüngste Gemeinschaftsproduktion des Pfalzbaus Ludwigshafen und der Oper Halle (zugleich mit dem «Ring»-Gewinn hat diese den Verlust ihres Kindertheaters zu verbuchen) versucht’s mit dem originalen Richard-Wagner-Aus-...
Überraschen müsste nicht die späte Einsicht, die hier mitgeteilt und begründet wird. Überraschen müsste, dass es dazu so spät erst kommt. Immerhin liegt, worum es hier geht, schon mehr als hundert Jahre zurück, ohne dass es historisch verjährt wäre. Ob die Einsicht – falls sie denn überhaupt einleuchtet – zu heutigen Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten....
Beschaut man die Szene, wird die Erinnerung an Schubert wach: Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus. Losgelöst von den Menschen, schwebt Lucia Ashton – soeben hat sie den ihr aufgezwungenen Gatten Arturo gemordet – im blutbefleckten Hochzeitskleid die Treppe hinab in den Saal (Bühne: Robert Pflanz), besteigt den festlich gedeckten Tisch, liegt dort,...
