Die entkleidete Oper
Eigentlich wollen wir sie nicht mehr sehen, diese Herren in ihren mausgrauen Anzügen, mit Schlips und Köfferchen. Und dieses Lounge-Mobiliar mit Ledersofa, Rolltreppen, Hotel-Lobby- und Airport-Lifts. Dennoch: Christian Schmidts «Rinaldo»-Ambiente in Zürich geht letztlich doch auf. Zumal, wenn sich herausstellt, dass Ramses Sigls Schlips-und-Kragen-Ballett der Wiedergabe den realistischen Boden entzieht und ihr einen Hauch von ironisierender Revue zufächelt.
Diese Künstlichkeit bildet sich am stärksten heraus, wenn eine unwirkliche Zeitlupenbewegung des gesamten Ensembles Rinaldos Arie «Cara sposa» umgibt und den Bildalltag mit schier magischen Momenten durchsetzt.
Claus Guth sollte inszenieren. Jens-Daniel Herzog übernahm das Konzept des erkrankten Kollegen. Wir sind offenbar mit einem Wirtschaftskrieg (Öl?) konfrontiert, erleben einen von Armidas Strategie beflügelten Fall von raffinierter psychologischer Schlachtführung. Die Erschütterung der ursprünglichen Liebesordnung bringt das ganze Quiproquo ins Schillern: Weder bleiben die Christin Almirena von Jerusalems König Argante noch der (umgedeutete) Kreuzritter Rinaldo von der sarazenischen Zauberin und kapitalen Erotikerin ...
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