Große Gefühle

Ein postveristisches Meisterwerk in Bild und Ton: Franco Alfanos «Risurrezione»

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Der von der Pariser Weltausstellung 1889 ausgehende Russland-Boom, der bald das ganze westliche Europa erfasste, blieb auch in der Oper nicht ohne Folgen. Insbesondere die Vertreter der Giovane Scuola erkannten in dieser «exotischen» Welt, wie sie in den Romanen Tolstois und Dostojewskis aufschien, eine Möglichkeit, ihre musikalische Palette um reizvolle Farben zu erweitern.

Giacomo Puccini trug sich zeitweilig mit dem Gedanken, «Anna Karenina» zu vertonen, Pietro Mascagni dachte an die «Aufzeichnungen aus einem Totenhaus», Umberto Giordano ließ sich von Tolstois letztem Roman «Auferstehung» zu seinem Melodram «Siberia» inspirieren, aber nur Franco Alfano brachte mit seiner Adaption dieses Stoffs, der Oper «Risurrezione», eine Adaption russischer Literatur erfolgreich zu Ende.

Er hatte den 1899 veröffentlichten Roman in einer französischen Dramatisierung von Henry Bataille kennengelernt, in der Tolstois religiös-moralische Reflektionen und sozialkritische Spitzen schon weitgehend nivelliert sind. Das Libretto des Journalisten Cesare Hanau komprimiert diese Version mit einem gewissen Gespür für opernfähige Situationen und verwendet statt der bisher üblichen gereimten Verse eine ...

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Opernwelt August 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Ekkehard Pluta

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