Grandseigneur mit feinem Geschmackssinn

Zum überraschenden Tod des Theatermachers Pierre Audi

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Seine letzte Regiearbeit war vielleicht seine schwierigste. Nachdem Romeo Castellucci und das Théâtre La Monnaie ihre Zusammenarbeit beendet hatten, weil man sich nicht über Budgets und/oder inhaltliche Fragen einigen konnte, sprang Pierre Audi couragiert ein und inszenierte die beiden letzten Teile von Wagners «Ring».

Und wie es seiner Art, Kunst zu denken und sie bildmächtig zu beglaubigen, entsprach, strotzten «Siegfried» und die «Götterdämmerung» zwar nicht vor genialischen oder gar revolutionären Ideen (was dazu führte, dass dieser Brüsseler «Ring» als eine Art geteilter Himmel in die Operngeschichte eingehen wird), aber sie waren das, was so viele Arbeiten von Pierre Audi zuvor auch gewesen waren: durchdacht, solide, geschmackvoll, mit feinem Sinn fürs Dekorative. Fans des radikalen Regietheaters mochten das als allzu bieder empfinden, für Anhänger einer (im besten und buchstäblichen Sinne) konservativen Grundhaltung war es hingegen ein Gewinn.

Ohnehin verstand sich Audi seit jeher wohl doch mehr als Theatermacher, denn als innovativer Bühnenabendzauberer. 1979, nach seinem Studium in Oxford, gründete der gebürtige Libanese in London das Almeida Theatre sowie das ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Jürgen Otten

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