Editorial 7/22

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Wohl bei keinem Dirigenten der Gegenwart ist die Trennlinie zwischen Bewunderung und Ablehnung so scharf gezeichnet wie bei Teodor Currentzis. Die einen, zu denen bei aller Bescheidenheit auch Currentzis selbst zählt, halten ihn für einen charismatischen Magier, der ganze Orchester in Bewohner von Klangwunderkammern zu verwandeln weiß. Andere, nicht minder musikkundige Zeitgenossen sehen in ihm weit mehr den Rattenfänger, der sich zwar brillant zu inszenieren weiß, ohne dies aber mit interpretatorischen Glanzleistungen zu untermauern. Die Wahrheit liegt, wie so häufig, in der Mitte.

Mag Currentzis einen starken Hang zur (narzisstischen) Überzeichnung und Hybris haben, so hat er zugleich mit radikalen Lesarten unstrittig die Sicht auf Mozarts Opern verändert; seine Dirigate bei den Salzburger Festspielen in der jüngeren Vergangenheit belegen es hinreichend. 

Auch deswegen hat deren Intendant Markus Hinterhäuser ihm für diesen Sommer die Eröffnungspremiere überantwortet. Keinen Mozart, der pausiert, sondern einen spannend anmutenden Doppelabend mit Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» und Carl Orffs Oratorienoper «De Temporum fine comoedia». Ob Currentzis mitsamt seinem ...

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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

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