Goethe, Fellini, Goya
In der zu seinen Lebzeiten niemals szenisch erprobten «Damnation de Faust» komprimierte Berlioz die Handlung von Goethes «Faust I» zum schwarz-romantischen Horrorspektakel. Harry Kupfer setzte in seiner Frankfurter Neuinszenierung noch eins drauf und arrangierte die Szenencollage als Abfolge grotesker theatralischer Monstrositäten. Kupfer griff dabei tief in den Fundus seiner aus dem akribischen Realismus Walter Felsensteins heraus-, aber ins Bizarr-Hyperrealistische weiterentwickelten Bühnenfantasie.
Pate standen ihm dabei Fellini, aber auch die phantasmagorische, extreme Bildwelt Goyas, des Goethe-Zeitgenossen. Der Abend geriet so zu einem virtuos-temporeichen Totentanz. In seinen neueren Arbeiten (nach längerer Opernabstinenz) zeigt sich Kupfers Handschrift wieder ganz frisch, ohne klappernde Routine. Unerschöpfliche Bildeinfälle also diesmal, indes in aller Hektik auch angenehme Ruhezonen. Ein kühner interpretatorischer Durchstich war in diesem Falle weniger gefragt als beim Frankfurter «Palestrina» vom Vorjahr.
Hans Schavernochs atemberaubendes Bühnenbild exponierte das Thema auf Anhieb: die Welt, ein absurdes Theater. Zum Schauplatz wird das Auditorium eines altmodischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Versprochene trat zwar nicht ein – dafür gab es eine Strauss-Erfüllung ganz anderer Art. Weniger apokryph: Das «Salome»-Parlando, dessen betonte Pflege Christoph von Dohnányi in Aussicht gestellt hatte, verflüchtigte sich in Zürich bald – dazu geriet der orchestrale Part zu massiv, gingen die Forte-Wogen zu häufig hoch. Doch unter diesem Vorzeichen gelang seine...
C-Dur gilt als die Neutrale zwischen den Tonartenkreisen, als jene Skala, die keine bestimmte emotionelle Haltung einnimmt, sondern eher äußerlichen Glanz verkündet. Bei Mozart wirkt sie oft auch wie die Decke, die beschönigend über häusliche Unordnung geworfen wird, wenn Besuch kommt. Etwa im Finale von «Così fan tutte», da die verstörten Paare sich mühen, den...
Sigmund Freud scheint zur Zeit in Österreich die Rolle des Igels (im bekannten Wettlauf mit dem Hasen) innezuhaben: Wo immer man hinkommt, ist er schon da. Während Claus Guth seine «Tannhäuser»-Exegese an der Wiener Staatsoper in Freud’schen Gefilden ansiedelt, tritt der Psychoanalytiker in der Grazer Produktion von Bellinis «Sonnambula» unter dem Pseudonym Conte...
