Getanzte Märchenwelt
In Linz ist Platée nicht nur eine hässliche Sumpfnymphe, wie sie Rameau für sein «Ballet bouffon» aus dem Jahr 1745 geschaffen hatte. In der Inszenierung von Anthony Pilavachi stellt sie eine alte, schlabbrige, unförmige Kröte mit hängenden, warzigen Brüsten, fettigem, klebrigem Haar vor: bekleidet mit einer Oma-Strickjacke und mit Schwimmflossen an den Füßen. Sie wohnt in einer Favela-Bude, die überall von grünem Glibber überzogen ist.
Welch ein Kontrast zur hehren Götterwelt, die sich einen Spaß mit der naiven Nymphe treibt, indem sie ihr vorgaukelt, kein Geringerer als der herrliche Jupiter habe sich in sie verliebt und wolle sie heiraten.
Bei der Uraufführung, die anlässlich der Hochzeit der Prinzessin Teresa von Spanien mit dem französischen Prinzen Louis stattfand, fühlte sich die Festgemeinschaft von diesem Sujet, das ursprünglich als Karnevalsbelustigung gedacht war, ganz und gar nicht amüsiert. Dummerweise konnte sich die Braut auch noch angesprochen fühlen, denn sie soll keine Schönheit gewesen sein.
Pilavachi schafft mit dem hervorragend singenden und agierenden Tenor William Saetre als Platée eine unterhaltsame Mischung aus Komik, Slapstick und getanzter Märchenwelt. ...
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