Geschändet
Der Mond über Judäa, er leuchtet nicht. Nicht mal ein Blinzeln ringt er sich ab. Aber wie auch? Das Reich des Herodes liegt in einer hässlichen Unterweltstadt, am Rand der Zivilisation. Der Tetrarch herrscht in diesem Sündenpfuhl wie sein mythischer Vorfahre Pluton, allerdings mit dem Unterschied, dass nicht die Totengeister um ihn herumkriechen, sondern skurril kostümierte Menschenmonster – Abschaum einer Gesellschaft, deren größte Vergnügungen Vergewaltigung, Folterung und Mord sind.
Noch während der schwerverliebte und -bewaffnete, in einer schwarzen Kampfmontur steckende Narraboth (Tansel Akzeybek) mit glühender Emphase die Schönheit der Prinzessin Salome besingt, werden blutverschmierte, nackte (Puppen-)Leichen aus dem (durch eine Fensterfront begrenzten, in die massiven Quader hineingeschlagenen) Partyraum heraus und eine eiserne Treppe hinab auf ein felsiges Quadrat getragen, wo sie ein dreiköpfiges, in polyesterdicke gelbe Sicherheitsanzüge gewandetes Entsorgungskommando in Empfang nimmt und in eine Grube schüttet. Humanabfall, mit einem Pulver bestreut, das den abscheulichen Verwesungsgeruch zumindest partiell eindämmen soll. Lydia Steier begnügt sich bei ihrem Debüt an ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Wenn die angelsächsische Hausfrau zum Staubsaugen schreitet, verkündet sie, sie müsse jetzt «hoovern». Was nicht unbedingt mit einem Gerät aus dem Hause Hoover zu geschehen hat. Gewisse Markennamen sind zum Synonym für einen ganzen Tätigkeitsbereich geworden, auch in der Kunst. So steht etwa der Name «Picasso» im Volksmund ganz allgemein für «abstrakte Malerei»....
JUBILARE
Rodion Schtschedrin kam am 16. Dezember 1932 in Moskau zur Welt, studierte schließlich am Moskauer Konservatorium bei Juri Schaporin (Komposition) und Jakow Flier (Klavier). Nach durchaus eindrücklichen Anfängen einer Klavierlaufbahn wurde er 1964 auf eine Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium berufen und 1973 auf Wunsch von Schostakowitsch...
Der Ort ist pikant. Und mit tristen Bildern reichlich gefüllt. Nur wenige Steinwürfe von der Deutschen Oper Berlin wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg vom West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras im Rahmen der Proteste gegen das iranische Schah-Regime Mohammad Reza Pahlavis getötet, mit einem Schuss in den Hinterkopf. Berühmt geworden ist das Foto,...
