Zeitgenosse der Zukunft
Wenn die angelsächsische Hausfrau zum Staubsaugen schreitet, verkündet sie, sie müsse jetzt «hoovern». Was nicht unbedingt mit einem Gerät aus dem Hause Hoover zu geschehen hat. Gewisse Markennamen sind zum Synonym für einen ganzen Tätigkeitsbereich geworden, auch in der Kunst. So steht etwa der Name «Picasso» im Volksmund ganz allgemein für «abstrakte Malerei». Und Enrico Carusos Familiennamen deckt das männliche Vokal-Elysium ab.
Einen Tenor mit dem Namens -zusatz «Caruso» auszustatten, bedeutete Nobilitierung, manchmal nicht ohne amüsanten Beigeschmack, wenn etwa der Polit-Barde Ernst Busch zum «Barrikaden-Caruso» ernannt wurde. «Bravo, bravo, beinah’ wie Caruso, ja, so singt Filippo, tralalalaaa» flötete der Schweizer Schlagertroubadour Vico Torriani – selbst eher kein Caruso – im Film «Straßenserenade» von 1953; Thomas Seedorf zitiert dies in seiner Monografie «Enrico Caruso – Tenor des Jahrhunderts» als Beispiel für die universelle Popularität des Neapolitaners. Der Autor begründet unter anderem auch, warum Caruso nicht der solide Verwalter einer sängerischen Tradition war, sondern ein Zeitgenosse der Zukunft, der in seiner unkonventionellen Annäherung an das traditionelle ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Gerhard Persché
Wer wird neues Glück uns geben? Kann man ohne König leben?», fragt das Volk am Ende von Nikolai Rimski-Korsakows Oper «Der goldene Hahn». Am Landestheater Coburg hat der regieführende Intendant Bernhard F. Loges eine vorsichtige Antwort parat: Mindestens ein paar der Höflinge nehmen die grau staubenden Perücken ab und «entsorgen» die Zarenkrone. Schließlich ist...
In der Partie der Leonore hat Evelyn Herlitzius weltweit reüssiert. Nun hat sie mit Beethovens «Fidelio» am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ihr Regiedebüt gegeben. Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann lässt die Zuschauer in ein Gefängnis blicken, das dem «Panopticon» nachempfunden ist, einem vom Philosophen Jeremy Bentham im ausgehenden 18. Jahrhundert...
Einen einzigen Kuss nur, «un sol bacio», wollen die Kerle erhaschen. Und das geht, weil das Entsetzen darüber explodiert, bei Mozart alles andere als gemächlich ab. Hier, im ersten Finale, rast das Bühnenpersonal musikalisch sogar davon – und lässt Vladimir Jurowski mit dem Bayerischen Staatsorchester hinter sich zurück. Kann bei einer Premiere schon mal passieren....
