Gesang als Sprache der Menschlichkeit
Am Ende singen sie doch noch. Geradezu erlösend wirkt der vokale Glücksmoment, den Isabel Mundry in ihrer «Odyssee» dem Helden und seiner Gattin Penelope vergönnt: Eine späte zwischenmenschliche Tonwerdung, an der auch die Vergänglichkeit dieser Begegnung nichts ändern kann. Denn obwohl Odysseus anschließend weiterziehen muss, hat er durch die Überwindung der Einsamkeit seine musikalische Sprache gewonnen.
Erst durch die Erfahrung der Liebe wird er fähig, die Grundfrage des Lebens zu stellen: «Was ist der Mensch?» Das Ende dieser Oper wirkt wie ein Nachwehen Schubert’scher Wehmut. Zugleich ist dieses Ende jedoch auch fragmentierter Anfang eines neuen Lebens, in dem die Kunst als Mittel der Selbsterkenntnis leiten wird.
Es ist eine tröstliche Botschaft, die Isabel Mundry in «Ein Atemzug – die Odyssee» verkündet. Zugleich ist die an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführte neue Oper ein schlüssiger Lösungsversuch für das Grundproblem avantgardistischen Musiktheaters: Wo jede Lauterzeugung potenziell ein musikalischer Bedeutungsträger sein kann, gilt es, den Gesang als besonderes, zentrales Ausdrucksmittel zu rechtfertigen. Die innere Dramaturgie von Mundrys «Odyssee» schafft genau ...
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