Adam goes Strindberg
Dietrich W. Hilsdorfs Debüt am Essener Aalto-Theater – die zweite Produktion überhaupt am frisch eröffneten Haus und der Beginn einer intensiven Arbeitsbeziehung – war vor vielen Jahren eine zuerst skandalisierte, aber rasch zum Kultstatus avancierte Inszenierung von Verdis «Don Carlo». Nach längerer Abwesenheit ist Hilsdorf nun triumphal nach Essen zurückgekehrt: mit einer brillanten Deutung von Alessandro Scarlattis Oratorium «Cain, overo il primo omicidio», das bei Lichte betrachtet eine verkappte Oper auf ein theologisch tiefsinniges Libretto des Kardinals Pietro Ottoboni ist.
Einmal mehr hat Bühnenbildner Dieter Richter für Hilsdorf einen kongenialen Raum geschaffen: einen verwitterten spätbarocken Salon ohne Türen und Abgänge mit langer Tafel und blindem Spiegel. Die Spielfläche ragt über den Orchestergraben hinaus und spart für das klein besetzte Instrumentalensemble lediglich zwei Inseln aus. In dieser verblassten Noblesse befinden sich permanent die vier Mitglieder der biblischen Urfamilie – Adam und Eva, Kain und Abel, in edle, von leicht staubigem Firnis überzogene Gewänder aus der Entstehungszeit des Werks (1707) gehüllt, – traulich verbunden mit dem himmlischen Vater ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Regine Müller
Die quasi religiöse Beethoven-Verehrung vergangener Zeiten scheint nicht mehr en vogue, selbst in diesem Jubiläumsjahr. Bereits vor 20 Jahren stellte die FAZ im Zusammenhang mit einer Neuedition von Beethovens Briefwechsel fest, dass der «Klassiker-Kanon an normativem Druck verloren» habe, und damit auch jene «Einschüchterung durch Klassizität», gegen die Brecht...
E. M. – hinter den mysteriösen Initialen verbirgt sich nicht nur der Name einer gefeierten Operndiva, sondern zugleich auch der Wirklichkeit gewordene Menschheitstraum von ewiger Jugend – freilich zum Preis eines halt- und ziellosen Lebens. Denn Emilia Marty, die Leoš Janáček in seiner vorletzten, 1926 uraufgeführten Oper «Věc Makropulos» («Die Sache Makropulos»)...
Ein brillanter Einfall: Um zu verdeutlichen, dass Wolfgang Rihms Kammeroper «Jakob Lenz» die schonungslose Offenlegung einer wahnumwölkten Seele thematisiert, deren fast klinisch anmutende Sektion, hat sich Regisseur Marco Štorman für seine Bremer Inszenierung von der Bühnenbildnerin Jil Bertermann ein sogenanntes anatomisches Theater bauen lassen, wie man es...
