Gesamtkunstwerk

Zum 85. Geburtstag des großen italienischen Bassbaritons Ruggero Raimondi

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Unter drei, vier Minuten ging es nicht. Und manchmal dauerte es noch länger, bis sich das Publikum beruhigt hatte. Nach Don Giovannis «Champagner-Arie» passierte das regelmäßig, besonders aber nach dem großen Monolog eines verzweifelten Königs. Unvergessen, wie Ruggero Raimondi einst in den Resten von Otto Schenks Münchner Inszenierung von Verdis «Don Carlo» im Lehnstuhl saß und als Filippo II. das Ende der Ovationen abwartete. Ein huldvolles Senken des Kopfes, eine kleine Drehung hin zum Parkett, schon ward der Orkan wieder angefacht.

Wer sich Raimondis auf Platten verewigte Interpretationen anhört (im Filippo-Fall auf Italienisch unter Giulini und sehr viel später unter Abbado auf Französisch), der kann womöglich die Aufregung nicht ganz verstehen. Sicher, da ist diese einschüchternde, gebieterische Stimme, mehr grauer, monochromer Strahl denn in vielen Farben changierender Strom. Aber das Phänomen Raimondi lässt sich eben nicht nur hörend (er-)fassen. Der Italiener, der am 3. Oktober seinen 85. Geburtstag feiert, bleibt ein Gesamtkunstwerk: Mindestens so raumfüllend und überpräsent wie seine Stimme, so war und ist auch seine Erscheinung.

Raimondi, der aus Bologna stammt, ist ...

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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Magazin, Seite 96
von Markus Thiel

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