Gemischter Klang, gespaltene Gefühle

Thielemanns Wiener «Ring» und die Studioeinspielung unter Hans Swarowsky von 1968

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«Diversity of opinion about a work of art shows that the work is new, complex and vital», schrieb Oscar Wilde im Vorwort zu «The Picture of Dorian Gray». Anhänger der neuen Live-Einspielung von Wagners «Ring des Nibelungen» unter Christian Thielemann mögen diesen Aphorismus ins Treffen führen. Zumindest divergieren die Reaktionen auffallend. Dass jedoch solch unterschiedliche Meinungen für Neuheit, Komplexität und Vitalität stehen, erscheint bei dieser Aufnahme eher zweifelhaft. Zu groß ist etwa das Gefälle zwischen Dirigent und Sängern.

Auch aufnahmetechnisch kann man einiges bemängeln.

Schon beim Vorspiel zum «Rheingold», ist man hin- und hergerissen. Ein Meer wie aus Bernstein, schemenhaft darin wie träge Fische die Motivgestalten: Seltsam unbestimmt klingt das Orchester der Wiener Staatsoper, wie mit dem Weichzeichner abgebildet – man muss die Anlage voll aufdrehen, um Details einigermaßen wahrzunehmen. Dies gilt beinahe für die gesamte Tetralogie. Es hört sich an, als hätten Dirigent und Tontechnik es darauf angelegt, den zum Spaltklang tendierenden ­offenen Graben der Staatsoper zu ignorieren und einen Bayreuth-ähnlichen, gedeckelten (Misch-)Klang herzustellen. Nicht ...

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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 44
von Gerhard Persché

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