Geheimnislos
Auch wenn die Berliner Philharmoniker – im Gegensatz zu ihren Kollegen in Wien – nur selten Oper spielen, lagen die Noten von Wagners «Parsifal» immer wieder auf ihren Pulten.
Das hat damit zu tun, dass sich diese Musiker eigentlich nur zu Osterfestspielen in einen Orchestergraben setzen – lange in Salzburg, seit 2013 in Baden-Baden – und dass «Parsifal», einer schlechten Tradition folgend, oft an Ostern gespielt wird. Es hat aber auch damit zu tun, dass die Chefdirigenten des Orchesters sich dieses Stück nicht entgehen ließen.
Herbert von Karajan hat die Klangmischungen des späten Wagner einst mit geradezu alchimistischer Neugier erkundet, Claudio Abbado später einen sehr viel helleren, von Klangräumen her gedachten «Parsifal» dirigiert. Mit Daniel Barenboim als Gast haben die Berliner Philharmoniker eine bis heute in vielem gültige Studioaufnahme des Stücks produziert. Nun also Simon Rattle, der 2018 seine letzten Osterfestspiele mit dem Orchester bestritt. Die Preise in Baden-Baden waren hoch (bis 360 Euro), die Erwartungen auch.
Der erste Akt: eine Enttäuschung. Das melodische Integral des Liebesmahlthemas, mit dem das Stück einsetzt, wirkt fahrig, weder klanglich gerundet ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Stephan Mösch
Die kunstvollen, teils kontrapunktischen Arien, die Ouvertüre und den Schlusschor gab es bereits – erstmals 1727 waren sie in London erklungen, bei der Uraufführung von Händels «Riccardo primo, Re d’Inghilterra» auf ein Libretto von Paolo Antonio Rolli. Als Telemann einen Druck der Gesangsnummern aus «Riccardo» erhielt, erschien ihm eine Aufführung in Hamburg...
Der Meister war voll des (untergründig-ironisch getränkten) Lobes. «Was uns bei Bellini bezauberte», heißt es in einem Brief Richard Wagners an Cosima, nachdem er Wilhelmine Schröder-Devrient in «I Capuleti e i Montecchi» gehört hatte, «war die reine Melodie, der schlichte Adel und die Schönheit des Gesangs.» Besonders ein Stück des Belcantokönigs, mit dem er sich...
Schon das erste Bild fasziniert in seiner suggestiven Erzählkraft: Das vielfach verflochtene Schicksalsseil der Nornen hängt, den gesamten Hintergrund ausfüllend, in zwei riesigen Knoten aus dem Schnürboden herab. Ein gelungener Entwurf der für das Bühnenbild zuständigen japanischen Installations- und Performancekünstlerin Chiharu Shiota – klar in der Optik,...
