Gefährdete Versöhnung
Mit einer neuen Produktion im Market Theatre von Johannesburg hat die Kompanie Umculo – der Name stammt aus der Sprache der Xhosa und lässt sich bezeichnenderweise sowohl mit «Musik» als auch mit «Versöhnung» übersetzen – aufregendes Terrain für die Oper in Südafrika betreten.
In dem Pasticcio «Lamento» werden Madrigale, Arien und Szenen von Claudio Monteverdi umgedeutet, um eine Serie von Ereignissen zu kommentieren, die im Zusammenhang mit der «Truth and Reconciliation Commission» (TRC) stehen, einer Einrichtung zur Aufklärung während der Apartheid verübter politischer Verbrechen. Auf den ersten Blick mutet das vielleicht wenig vielversprechend an. Denn es gab schon eine ganze Reihe von Musik- und Theaterversuchen zu diesem Thema, doch den meisten fehlte die ästhetisch produktive Distanz – die Wunden dieser blutigen Epoche sind noch zu frisch, die Folgen bis heute allzu schmerzhaft.
Jetzt aber ist dem südafrikanischen Regisseur Kobie van Rensburg die schwierige Gratwanderung gelungen. Rensburg, der sich als Tenor eine Karriere mit Schwerpunkt «Alte Musik» aufbaute, ehe er sich dem Inszenieren zuwandte, findet in «Lamento» einen Ton zwischen schwarzem Humor und ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Brent Meersman
Einen beeindruckenden Premierenreigen hat das Opernhaus Zürich in der Spielzeit 2015/16 hingelegt. Mit einer ebenso starken wie radikal in die Werkstruktur eingreifenden «Entführung aus dem Serail» in der Regie von David Hermann setzt das Haus unter der Leitung von Andreas Homoki weiter auf individuelle Regiehandschriften und unbequeme Sichtweisen. Gut so....
Endlich hat sie es hinter sich. Endlich kann sie wieder jung sein, sich öffnen, fühlen, trauern, triumphieren, ihre Verletzlichkeit spüren. Emilia Makropulos erlebt die Minuten vor ihrem Tod als Befreiung. Mehr als 300 Jahre hat sie gelebt, fluchtartig Identitäten gewechselt, Wiedergänger ertragen, sich durch die Zeiten geschlagen. Nun ist die Zeit abgelaufen....
Die Effekte sind schon ziemlich spektakulär: Dass Peter Pan und seine Londoner Freunde über die Bühne fliegen, wird natürlich erwartet. Aber der Junge, der niemals erwachsen werden will, kann auch Wände hochlaufen, und in Jason Southgates puppenstubigem Bühnenbild gibt es eine Eisenbahn-Strecke, über die nicht nur altmodische U-Bahn-Waggons ruckeln, sondern...
