Gefährdete Versöhnung
Mit einer neuen Produktion im Market Theatre von Johannesburg hat die Kompanie Umculo – der Name stammt aus der Sprache der Xhosa und lässt sich bezeichnenderweise sowohl mit «Musik» als auch mit «Versöhnung» übersetzen – aufregendes Terrain für die Oper in Südafrika betreten.
In dem Pasticcio «Lamento» werden Madrigale, Arien und Szenen von Claudio Monteverdi umgedeutet, um eine Serie von Ereignissen zu kommentieren, die im Zusammenhang mit der «Truth and Reconciliation Commission» (TRC) stehen, einer Einrichtung zur Aufklärung während der Apartheid verübter politischer Verbrechen. Auf den ersten Blick mutet das vielleicht wenig vielversprechend an. Denn es gab schon eine ganze Reihe von Musik- und Theaterversuchen zu diesem Thema, doch den meisten fehlte die ästhetisch produktive Distanz – die Wunden dieser blutigen Epoche sind noch zu frisch, die Folgen bis heute allzu schmerzhaft.
Jetzt aber ist dem südafrikanischen Regisseur Kobie van Rensburg die schwierige Gratwanderung gelungen. Rensburg, der sich als Tenor eine Karriere mit Schwerpunkt «Alte Musik» aufbaute, ehe er sich dem Inszenieren zuwandte, findet in «Lamento» einen Ton zwischen schwarzem Humor und ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Brent Meersman
Ein Hang zur Edelfolklore regional gefärbter Evergreens erfreut sich besonders unter Tenören großer Beliebtheit. Luciano Pavarotti wurde es in Italien dennoch verübelt, dass er bei «Torna a Surriento» oder «’O sole mio» den neapolitanisch weichen Zungenschlag nur unzureichend imitierte. Wer Jonas Kaufmann auf seinem neuesten Album «Dolce Vita» hört, dem wird...
Die Figur des heute vom Publikum wie von den Medien fetischisierten Dirigenten ist eine späte Erscheinung in der Aufführungsgeschichte der Musik. Zwei gleichzeitig erschienene Veröffentlichungen widmen sich jetzt dem komplexen Problemfeld – der aus einer Basler Ringvorlesung hervorgegangene, thematisch weit gespannte Band «DirigentenBilder. Musikalische Gesten...
Zu den kritischen Topoi bei der Beurteilung junger Sänger gehört der Hinweis auf die fehlende «Reife». Hört man aber später die «Gereiften», vermisst man gerade die Frische der Jugend. Die Frage mag sich ganz besonders bei Elisabeth Schwarzkopf stellen. Vor knapp einem Jahr brachte Warner (als Erbverwalter der EMI) die Recitals heraus, die zwischen 1952 und...
