Gefährdete Versöhnung
Mit einer neuen Produktion im Market Theatre von Johannesburg hat die Kompanie Umculo – der Name stammt aus der Sprache der Xhosa und lässt sich bezeichnenderweise sowohl mit «Musik» als auch mit «Versöhnung» übersetzen – aufregendes Terrain für die Oper in Südafrika betreten.
In dem Pasticcio «Lamento» werden Madrigale, Arien und Szenen von Claudio Monteverdi umgedeutet, um eine Serie von Ereignissen zu kommentieren, die im Zusammenhang mit der «Truth and Reconciliation Commission» (TRC) stehen, einer Einrichtung zur Aufklärung während der Apartheid verübter politischer Verbrechen. Auf den ersten Blick mutet das vielleicht wenig vielversprechend an. Denn es gab schon eine ganze Reihe von Musik- und Theaterversuchen zu diesem Thema, doch den meisten fehlte die ästhetisch produktive Distanz – die Wunden dieser blutigen Epoche sind noch zu frisch, die Folgen bis heute allzu schmerzhaft.
Jetzt aber ist dem südafrikanischen Regisseur Kobie van Rensburg die schwierige Gratwanderung gelungen. Rensburg, der sich als Tenor eine Karriere mit Schwerpunkt «Alte Musik» aufbaute, ehe er sich dem Inszenieren zuwandte, findet in «Lamento» einen Ton zwischen schwarzem Humor und ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Brent Meersman
Die Figur des heute vom Publikum wie von den Medien fetischisierten Dirigenten ist eine späte Erscheinung in der Aufführungsgeschichte der Musik. Zwei gleichzeitig erschienene Veröffentlichungen widmen sich jetzt dem komplexen Problemfeld – der aus einer Basler Ringvorlesung hervorgegangene, thematisch weit gespannte Band «DirigentenBilder. Musikalische Gesten...
Die Uraufführung der «Leggenda di Sakùntala» von Franco Alfano hatte sich das Teatro Comunale in Bologna gesichert – man schrieb den 10. Dezember 1921. Gut zwei Jahrzehnte später gingen die Partitur und das Orchestermaterial in Flammen auf, als alliierte Bomben das Archiv des Verlagshauses Ricordi in Mailand beschädigten. Nach 1945 rekonstruierte Alfano eine...
Schottisches Hochland auf der Leinwand – gemalt, bühnenfüllend. Von der Seite nähern sich drei schwarze Gestalten mit leichenblassen Masken: die Hexen. Ihre langen, knöchernen Finger deuten nach vorne, in die Zukunft. Paukengrollen. Die Gestalten verschwinden. Sie werden wiederkommen – und das Unheil mit ihnen.
Schon im ersten Bild von Donizettis «Lucia di...
