Zweischneidig
Einen beeindruckenden Premierenreigen hat das Opernhaus Zürich in der Spielzeit 2015/16 hingelegt. Mit einer ebenso starken wie radikal in die Werkstruktur eingreifenden «Entführung aus dem Serail» in der Regie von David Hermann setzt das Haus unter der Leitung von Andreas Homoki weiter auf individuelle Regiehandschriften und unbequeme Sichtweisen. Gut so. Alle Dialoge sind gestrichen, einige wenige Exklamationen der Protagonisten eher Affektüberschuss als Verständigungsversuche.
Zwischen den Musiknummern stehen kurze, dezente Soundcollagen, besser integriert als die in Claus Guths sprechtextlosem Salzburger «Fidelio» (siehe OW 9/2015).
Hermann präpariert, im Gegensatz zum gegenwärtig allzu naheliegenden Diskurs über Kulturkonflikte (Westen/Orient, Christentum/Islam) den eigentlichen Kern des Werks heraus: die Liebes- und Treuefrage, konzentriert auf Belmonte und Konstanze. Pedrillo und Blonde sind ihre Doppelgänger, Emanationen ihrer Gedanken werden zu Projektionen. Drei Szenenbilder, durch den Einsatz der Drehbühne geschmeidig wechselnd, bilden den Rahmen eines ins Innen gewendeten Beziehungsdramas: ein helles Restaurant mit einem großen, rückwärtigen Bildschirm, ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Götz Thieme
Ein Jahrzehnt blieb Fritz Wunderlich für das, was man pauschal eine Karriere nennt. Er setzte an, sie zu einer Weltkarriere zu weiten. Am 8. Oktober 1966 sollte der Tenor an der New Yorker Metropolitan Opera debütieren, als Don Ottavio in Mozarts «Don Giovanni». Wenige Tage vor der Abreise beendete ein grotesker Unfall im Haus eines Freundes im Kraichgau, wo...
58. Jahrgang, Nr 1
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Die Zukunft seiner Zunft hatte der Fotograf Hans Böhm klar vor Augen: Szenenfotografien aus dem Theater, schwarz-weiß, gut belichtet, gestochen scharf, während der Probe aus dem dunklen Zuschauerraum heraus geschossen. Noch vor Kurzem war das undenkbar, aber jetzt, im Herbst 1924, machte die Dresdner Firma Ernemann Reklame für eine neuartige Kamera: die...
