Zweischneidig

Mozart: Die Entführung aus dem Serail Verdi: Messa da Requiem Zürich | Opernhaus

Opernwelt - Logo

Einen beeindruckenden Premierenreigen hat das Opernhaus Zürich in der Spielzeit 2015/16 hingelegt. Mit einer ebenso starken wie radikal in die Werkstruktur eingreifenden «Entführung aus dem Serail» in der Regie von David Hermann setzt das Haus unter der Leitung von Andreas Homoki weiter auf individuelle Regiehandschriften und unbequeme Sichtweisen. Gut so. Alle Dialoge sind gestrichen, einige wenige Exklamationen der Protagonisten eher Affektüberschuss als Verständigungsversuche.

Zwischen den Musiknummern stehen kurze, dezente Soundcollagen, besser integriert als die in Claus Guths sprechtextlosem Salzburger «Fidelio» (siehe OW 9/2015).

Hermann präpariert, im Gegensatz zum gegenwärtig allzu naheliegenden Diskurs über Kulturkonflikte (Westen/Orient, Christentum/Islam) den eigentlichen Kern des Werks heraus: die Liebes- und Treuefrage, konzentriert auf Belmonte und Konstanze. Pedrillo und Blonde sind ihre Doppelgänger, Emanationen ihrer Gedanken werden zu Projektionen. Drei Szenenbilder, durch den Einsatz der Drehbühne geschmeidig wechselnd, bilden den Rahmen eines ins Innen gewendeten Beziehungsdramas: ein helles Restaurant mit einem großen, rückwärtigen Bildschirm, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Elsas Traum

Von den Schweizer Opernmetropolen Zürich und Genf aus gesehen liegt das Theater St. Gallen peripher. Provinziell geht es in dem Dreispartenhaus allerdings keineswegs zu; zumindest in seiner Opernabteilung dominieren quirlige Vitalität und bemerkenswerte Qualitätsstandards. Im Mai 2017 etwa kommt es dort zur Uraufführung von «Annas Maske», der ersten Oper des...

Alles halb so wild

Liebe, so befand Stendhal, beginne mit Verwunderung. Welche der vier antiken Grundarten dieser schönsten aller Lebensformen der französische Romancier und Essayist damit im Sinn hatte – ob Philia oder Agape, Storge oder Eros –, das präzisierte er nicht; wir dürfen allerdings davon ausgehen, dass er platonisches und erotisches Ideal in eins setzte, darin Mozart...

Personalien, Meldungen

Jubilare

Grace-Melzia Bumbry kam 1937 in St. Louis, Missouri, zur Welt. Nach dem Studium, u. a. an der Boston University und der Music Academy in Santa Barbara, gelang ihr rasch der internationale Durchbruch: 1960 sang sie in Paris die Amneris in Verdis «Aida» und wurde daraufhin von Wieland Wagner 1961 zu den Bayreuther Festspielen eingeladen, wo sie unter...