Rosenkavalier 100

Seit seiner Uraufführung vor hundert Jahren an der Semperoper in Dresden ist «Der Rosenkavalier» eine der beliebtesten Opern überhaupt. Was wirkt wie aus einem Guss, ist jedoch ein Konglomerat verschiedenster und einander widersprechender Einflüsse. Und das nicht nur, weil Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal denkbar unterschiedliche Künstlernaturen waren. Die Quellen, aus denen der Dichter schöpfte, sind in sich heterogen.

Molière gehört dazu, von dem Hofmannsthal die «Reinheit der Szenenführung» lernte, auch Hogarth und – das ist bislang kaum beachtet worden – Arthur Schnitzler. Aus dessen «Reigen» führt eine Spur direkt ins Beisl des dritten «Rosenkavalier»-Aktes.

Der folgende Essay geht solchen verborgenen Bezügen nach und zeigt, wo und wie Strauss durch seine Komposition die Perspektive des Textes umkehrt. Was wiederum mit Erlebnisperspektiven zu tun hat, die sich nur aus der musikalischen Stilentwicklung heraus verstehen lassen. Zum Schluss einige Hinweise zu den vier wichtigsten «Rosenkavalier»-Dirigenten und ihren jeweiligen Ansätzen.

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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: , Seite 57
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