Ganz schön raffiniert
Beim König war Jean-Baptiste Lully in Ungnade gefallen. Die Beteiligung an Orgien mit hochrangigen Mitgliedern des Hofs, dazu die Verführung eines Pagen: Das war denn doch zu viel für Ludwig XIV., der unter dem Einfluss der frommen Madame de Maintenon zunehmend auf die Sitten achtete. Doch der intrigenbegabte Komponist gab nicht auf, auch wenn er dafür erstmal kleinere Brötchen backen beziehungsweise entschlackte Opern schaffen musste.
Als ihn der Duc de Vendôme, mit dem er auch intimere Erfahrungen teilte, einlud, eine Oper für einen Besuch des Dauphin im Herbst 1686 zu komponieren, schuf er «Acis et Galatée» – und widmete die Pastorale héroïque demonstrativ dem Sonnenkönig. Der Umstand, dass Lully nur ein halbes Jahr später starb, ließ sie zu seiner letzten vollendeten Oper werden. Bis heute durch die bekanntere(n) Version(en) des gleichen Stoffs von Georg Friedrich Händel verdrängt, liegt sie (soweit dem Rezensenten bekannt) bislang nur in einer Einspielung von Marc Minkowski aus den 1990er-Jahren vor. Les Talens Lyriques und ihr Gründer Christophe Rousset füllen mit ihrer Neueinspielung nun also durchaus eine Lücke. Denn dass Lully, der sich seit 1673 fast ausschließlich der Tr ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 28
von Michael Stallknecht
Pauline Viardot war eine der großen Künstlerfiguren des 19. Jahrhunderts. Als Tochter einer weitgereisten spanischen Sängerfamilie, Schwester der berühmten Diva Maria Malibran und des nicht minder berühmten Gesangslehrers Manuel García junior schien ihr Weg vorgezeichnet. Doch die Viardot wollte, als Schülerin Reichas und Liszts, Komponistin werden und wurde es...
Es stürmt und bläst, drum sucht das Schiff von Daland
In einer Bucht nach Schutz und trifft dort bald
Ein Boot voll toten Jungs, die – ganz schön alt –
Sofort (sei es nun hier, sei es im Saarland)
Die ew’ge Ruh’ umarmen würden, doch
Dazu bedarf es einer Frau, der Senta,
Und keinem Schatz, nicht Obst, auch nicht Polenta,
Drum macht man einen Deal, doch: Och!
Da ist...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich habe ganz schrecklich geweint in der «Jenůfa»-Inszenierung von Calixto Bieito in Stuttgart – nicht ahnend, dass ich kurz darauf in genau dieser Produktion als Jano debütieren sollte. Danach eher selten. Gut, Rodolfos «Aufschrei» ist schon herzzerreißend. Und manchmal bin ich auch nahe der Rührung, weil Musik ab und an...
