Ganz alte Schule
Lustig immerhin ist die kleine Dichterstube, die sich kopfüber drehen kann, so wie es wohl im Haupte Hoffmanns rundgeht. Erst klebt er noch im Bett an der Wand, dann purzelt er fortwährend in seiner Genie-Box herum – vollumfänglich hat er die Gesetze der Schwerkraft doch nicht hinter sich gelassen. Das Lied vom Klein Zack wird frisch aus dem Typoskript ge -sungen, doch die Studenten, die hier Herren in schwarzem Leder sind, lassen sich nicht besonders mitreißen.
Lieber studieren sie all die unzähligen Objekte aus Kunst, Wissenschaft und Antike, die Stefano Poda – in Personalunion als Regisseur, Bühnen-, Kostüm- und Lichtbildner (und auch noch Choreograf) – in einem weißen Riesenregal türmt: Torsi und Säulen, Masken und Pferdeköpfe und allerhand, was man gern ins Regal stellt.
So wie die Erzählungen des Hoffmann, seine drei katastrophalen Liebesgeschichten, so wie die Geschichte des Untergangs des totalen Künstlers Hoffmann als interessanter Fall. Überhaupt landen alle Objekte des Begehrens bei der zuvor schon am Münchner Gärtnerplatz gezeigten Inszenierung in Vitrinen, die Automatenfrau Olympia, das junge Mädchen Antonia, die Kurtisane Giulietta. Jessica Pratt singt sie allesamt, ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Holger Noltze
Angels and ministers of grace defend us»: Das ist zwar nicht aus «Macbeth», sondern aus «Hamlet», aber doch eines jener Shakespeare-Zitate, mit denen das englischsprachige Theatervolk den Fluch des unaussprechlichen «Scottish Play» zu neutralisieren trachtet. Es ist natürlich reiner Zufall, dass dem Grazer Macbeth Mikołaj Zalasiński bei der Premiere von Beginn an...
Medea tanzt. Doch nicht im walzerseligen Dreiertakt schwebt die Zauberin über die Bühne. In ihrem heftigen Zucken wohnt der pure Zorn. Aber auch ein bisschen Traurigkeit und Verzweiflung. Denn diese Medea weiß sich (noch) keinen Rat, wie sie da durchs maschendrahtumhüllte Gehege fegt im güldenen Gewand (ist es womöglich mit dem Stoff jenes Goldenen Vlieses...
Alte und neue Musik begegnen sich im Konzertsaal selten. Zu verschieden sind die interpretatorischen, gar instrumentalen Voraussetzungen, die einem solchen Brückenschlag im Weg stehen. Umso spannender, wenn es doch geschieht, wie jetzt auf zwei CD-Neuerscheinungen, die extremer, kontroverser nicht sein könnten. Beide Male sind es «Überzeugungstäter», die den Spagat...
