Ganz alte Schule
Lustig immerhin ist die kleine Dichterstube, die sich kopfüber drehen kann, so wie es wohl im Haupte Hoffmanns rundgeht. Erst klebt er noch im Bett an der Wand, dann purzelt er fortwährend in seiner Genie-Box herum – vollumfänglich hat er die Gesetze der Schwerkraft doch nicht hinter sich gelassen. Das Lied vom Klein Zack wird frisch aus dem Typoskript ge -sungen, doch die Studenten, die hier Herren in schwarzem Leder sind, lassen sich nicht besonders mitreißen.
Lieber studieren sie all die unzähligen Objekte aus Kunst, Wissenschaft und Antike, die Stefano Poda – in Personalunion als Regisseur, Bühnen-, Kostüm- und Lichtbildner (und auch noch Choreograf) – in einem weißen Riesenregal türmt: Torsi und Säulen, Masken und Pferdeköpfe und allerhand, was man gern ins Regal stellt.
So wie die Erzählungen des Hoffmann, seine drei katastrophalen Liebesgeschichten, so wie die Geschichte des Untergangs des totalen Künstlers Hoffmann als interessanter Fall. Überhaupt landen alle Objekte des Begehrens bei der zuvor schon am Münchner Gärtnerplatz gezeigten Inszenierung in Vitrinen, die Automatenfrau Olympia, das junge Mädchen Antonia, die Kurtisane Giulietta. Jessica Pratt singt sie allesamt, ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Holger Noltze
Der gestürzte und wiedererhöhte Nebucadnezar, König zu Babylon, unter dem großen Propheten Daniel» – so lautet der originale Titel von Reinhard Keisers Oper aus dem Jahr 1704, mit der das Theater Heidelberg nun sein winterliches Barockfest im Schwetzinger Rokokotheater eröffnete. Wer ein religionspolitisches Lehrstück befürchtete, sah sich angenehm enttäuscht. Zwar...
Über Wolfgang Rihm zu schreiben – das haben die meisten der Publikationen, die sich darin versuchten, eindrücklich bewiesen –, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Einmal des gewaltigen Œuvres wegen, das einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart vorgelegt hat (rund 600 Werke umfasst die Liste), aber mehr noch, weil sich Rihm selbst in seinen Schriften...
Herr Köhler, ein Kritikerkollege aus dem Schauspiel hat Sie einmal einen «Theatermacher essenzieller Zeichen» genannt. Haben Sie eine Ahnung, was er damit sagen wollte?
Es ist immer schwer, so etwas selbst einzuschätzen. Aber in meiner Auseinandersetzung mit den Stücken geht es nie um Zeichen – es beginnt immer mit dem Konzept. Sowohl im Schauspiel als auch in der...
