Für Kleine gemacht, aber groß gedacht
Kinderoper, so kann man wohl sagen, ist die härteste Disziplin im Opernhandwerk. Alles, was eigentlich auch der erwachsene Zuschauer will: Verständlichkeit, Überraschung, Humor, Poesie – hier muss es unbedingt geliefert werden, sonst verliert man einen ganzen Saal. Dann wird mit Programmheften geraschelt, gequängelt, gequatscht und gestöhnt. An der Komischen Oper Berlin weiß man Bescheid um die Herausforderung, nimmt sie an und wirft in die Kinderoper einfach alles hinein, was das Haus zu bieten hat.
Seit vielen Jahren schon wird pro Saison ein Kompositionsauftrag vergeben – Kinderoper-Premieren sind hier immer auch Uraufführungen –, Ensemblemitglieder der ersten Reihe treten auf, am Bühnenbild wird nicht gespart und überhaupt: Gespielt wird stets im Großen Haus und nicht etwa auf irgendeinem Nebenschauplatz, derzeit und wohl auch in weiterer Zukunft in der Ausweichspielstätte im Schiller Theater. Zwei Jahre soll an der Sanierung des Stammhauses in der Behrenstraße nicht weiter gearbeitet werden, weil die Stadt Kosten sparen muss. In einer besseren Welt hätte es vielleicht geheißen: Die Komische Oper wird bei den Sparmaßnahmen entlastet, weil sie sich so engagiert um den ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Clemens Haustein
Auch im Märchenland ist eines klar: Jeder Topf hat seinen Deckel, jeder Prinz muss seine Prinzessin finden. Die Herren der Schöpfung sind dabei mehrheitlich langlockige, muskulöse junge Kerle in Strumpfhosen, die sich an Gemächt und Hintern, Schenkeln und Waden dermaßen gehörig ausbeulen, dass es schon fast ungehörig ist. Und wenn sich ihr Sixpack nicht ohnehin...
Einen Moment gibt es an diesem merkwürdig übersteuerten Abend, da kehrt das Stück plötzlich zu sich selbst zurück: Akt vier, erste Szene. Soeben und parallel zum «Patria opressa!»-Chor, haben die Schergen des Königs die drei Kinder von Macduff hinterrücks erschossen und seiner Ehefrau brutal die Kehle durchgeschnitten, da tritt der darob in seiner Existenz...
Stimmlich haben sich hier zwei gefunden: Seunghee Kho als Violetta Valery und Sung Min Song als Alfredo Germont geben, obschon beide eigentlich keine idealen Vertreter des Bel Canto, musikalisch ein prächtiges Paar ab. Eine exzellente Abstimmung mit dem Orchester hilft ihnen überdies; die Interimsspielstätte «Oper am Luisenpark» verfügt über eine schöne Balance...
