«Für einen Clown geht es immer irgendwie weiter»
Herr Villazón, Sie singen viel, aber mittlerweile inszenieren auch Sie fast so viel wie hauptberufliche Regisseure. Wann haben Sie eigentlich die Zeit gefunden, das Buch zu schreiben? Zwischen zwei und vier Uhr morgens?
Zu Beginn des Prozesses nehme ich, wenn immer ich kann, hie und da ein, zwei Stunden Zeit zum Schreiben, später sind es oft ganze Tage am Stück. Ich habe ein spezielles Prinzip.
Zuerst schreibe ich alles, was mir in den Sinn kommt, in ein kleines Notizbuch, dann bearbeite ich das und übertrage es in ein Hausaufgabenheft, dann feile ich wieder daran und schreibe in ein weiteres Heft. Erst zum Schluss setze ich mich an den Computer. Ich arbeite gerade an meinem zweiten Buch. Und das, obwohl ich glücklicherweise immer viel zu singen habe, viel inszeniere und meine Fernsehsendungen mache. Wissen Sie, ich selbst schaue nicht fern und surfe nicht dauernd im Internet. Ich bin auch nicht ständig mit Blogs, Facebook oder Twitter beschäftigt. Wir können da zwar immer mit irgendjemandem in Kontakt sein, aber es entsteht auch schnell dieser Druck, immer dran bleiben zu müssen. Es ist unglaublich, wie viel Zeit man hat, wenn man diese Dinge nicht tut. Überhaupt gibt es mehr Zeit, ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Interview, Seite 46
von Markus Thiel
Seit über Kunst nachgedacht wird, also schon sehr lange, treibt die Frage um, was Musik eigentlich sei. Das «Schöne», sein Eigenwert, seine Funktion, in Abgrenzung zum «Hässlichen» – darum kreisen die Debatten. Im deutschen Kulturbereich scheint das Thema nach wie vor blockiert. Idee wie Ideologie der «absoluten» Musik haben diese festgelegt auf die kunstreligiöse...
Herr Nigl, Sie gehören zu den wenigen bekannten Sängern, die fast nur in Neuproduktionen auftreten. Warum?
Richtig, ich singe fast gar keine Repertoirevorstellungen. Das hat sich so entwickelt, weil mir die Zusammenarbeit mit einem Regisseur und einem Dirigenten einfach zu wichtig ist. Erfolge hatte ich vor allem mit Festival-Produktionen. Erst durch die Opern von...
Die Lage hat sich weiter zugespitzt. Konfrontiert mit wachsenden Defiziten der New Yorker Metropolitan Opera, nahm sich Intendant Peter Gelb vor, die Personalkosten drastisch zu senken – und forderte von den Mitarbeitern einen Lohnverzicht in Höhe von 16 Prozent (siehe OW 6/2014). Die Musiker hingegen werfen Gelb vor, das Geld für teure, aber schlecht laufende...
