Fremdentladung
Wer heute im Reich der Toleranz wandelt, dürfte eher Schattengestalten begegnen, wogegen im Land der irrationalen Wut gegenüber Anders-Denkenden/Gläubigen heilloses Gedränge zu herrschen scheint.
Wie nähert man sich unter solchen Vorzeichen den Idealen der Aufklärung? Wie zeichnet man Selim, den Pascha, der weise ist wie Lessings Nathan und im Vergeben großherzig? Wie verkauft man einer zunehmend wieder unduldsam und engstirnig scheinenden Menschheit die alte Weisheit, dass Verzeihen die beste Rache ist?
Für eine Aktualisierung von «Die Entführung aus dem Serail» böte sich natürlich Osmin an, dessen Parolen heute überhaupt nicht mehr buffonesk klängen: «Erst geköpft, dann gehangen, dann gespießt auf heiße Stangen...» Doch das ironisch gemeinte Böse dieser Figur aus aktuellem Anlass bitterernst zu nehmen und es zum Mittelpunkt einer Inszenierung der «Entführung» zu machen, wäre schrecklich banal. Für ihre Produktion an der Grazer Oper wählte Eva-Maria Höckmayr vielmehr die Form eines Palimpsests und als Ort der Handlung (obwohl die Stadt nicht beim Namen genannt wird) jenes Wien, das Hofmannsthal in seinem «Zweiten Wiener Brief» von 1922 die «porta orientis für Europa» nannte. ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché
Knapp vorbei ist auch daneben. 1921 schrieb Arnold Schönberg in einer kleinen Festschrift zum Geburtstag seines Lehrers, Freundes und Schwagers Alexander Zemlinsky: «Zemlinsky kann warten.» Warten musste dieser in der Tat: Die Uraufführung seiner Oper «Der Traumgörge» ging erst 1980, mit gut 75 Jahren Verspätung, in Nürnberg über die Bühne.
Schönberg hatte das...
Impressum
57. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752290
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 10.05.2016
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Auch das Schweizer Mittelland braucht ein Opernfestival. Deshalb stellt die Oper Schenkenberg im Aargau regelmäßig Freiluftserien auf die Beine – wobei nach «Carmen» 2010 und «Il trovatore» 2013 jetzt Verdis «Rigoletto» an der Reihe ist. Als Scena dient diesen Sommer die dramatisch gefältelte Glas-Beton-Fassade der Turnhalle Mülimatt in Brugge: Vom 11. bis 27....
