Familienbande

Göteborgs Oper ist unter der Leitung von Henning Ruhe im Aufwind

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Das erste Bild zeigt eine Amtsstube aus grauer Vorzeit, mit Aktenschränken inklusive staubigen Registern; auf wuchtigen Schreibtischen türmt sich Papier. Emsiges Personal in steifer Bürokleidung des mittleren 20. Jahrhunderts bewegt sich ruckartig, sackt zusammen, richtet sich wieder auf. Dann nehmen die Bewegungen Fahrt auf: Die Frauen wecken erstarrte Pullunder-Männer auf, zu Rameaus quirliger Tonspur entwickelt sich ein geschäftiger Tanz – amüsierwütig und doch ansteckend dynamisch. Jede Geste sitzt, jeder Fußschlenker antwortet auf die Musik.

So musikalisch beginnt Andreas Kriegenburgs «Platée»-Inszenierung. Die Uraufführung von Rameaus skurrilem «Ballet bouffon» soll nur ein mäßiger Erfolg gewesen sein. Man empfand das Sujet als unpassend, da die Titelheldin eine hässliche, krötenartige Sumpfnymphe war. Beinahe ein Eklat, denn der Anlass in Versailles war die Hochzeit Ludwig XV. mit der spanischen Infantin, und die soll nicht eben eine Schönheit gewesen sein ... Noch heute verblüfft Rameaus freches Spiel mit dem Spiel. Denn er denkt auch laut über alberne Hupfdohlen, eitle Sänger, sinnfreie Koloraturschnörkel, kokette Spitzentöne, kurzum: über den ganzen Irrsinn der Gattung ...

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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Regine Müller

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