Unter der Narrenkappe

Nürnberg Donizetti: Dom Sébastien, Roi de Portugal

Opernwelt - Logo

Politik – dies ist die Überzeugung von Regisseur David Hermann – verdirbt nicht nur den Charakter, sondern führt zwangsläufig zu psychischen Defekten. Dazu lässt Hermann im Programmheft den portugiesischen Dichter Fernando Pessoa zitieren, der in seinem «Buch der Unruhe» schreibt, im heutigen Leben gehöre die Welt nur den Narren, den Grobschlächtigen und den Betriebsamen: «Das Recht zu leben erwirbt man sich fast durch die gleichen Verfahren, mit denen man die Einweisung in ein Irrenhaus erreicht».


Für die deutsche Erstaufführung der französischen Fassung von Donizettis letztem Bühnenwerk, der 1843 uraufgeführten Grand Opéra «Dom Sébastien», ließ Hermann sich von Christof Hetzer einen riesigen Kasten auf die Szene setzen, dessen schwarze Wände gleichermaßen Assoziationen mit einem ausweglosen Kerker wie einer überdimensionalen Gummizelle wachrufen. Hier situiert der Regisseur den (vom Librettisten Eugène Scribe gegen die geschichtliche Wirklichkeit verbogenen) Untergang des portugiesischen Königs Sébastien, der 1578 beim Versuch der Eroberung Marokkos mitsamt seinem Heer den Tod fand. Hineinverwoben in dieses Menetekel menschlicher Hybris hat Scribe nach bewährtem Muster eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Liedhafte Intimität

«Ferdinand Leitner, ja der konnte alles, den ganzen Wagner genauso wie Fortner, Orff und Weill. Und er konnte es gut! Das war eben kein Routinier, sondern wirklich ein hervorragender Musiker». So urteilte Martha Mödl über den Dirigenten, dessen Image lange Zeit von seiner Stuttgarter Zeit geprägt war. Das Württembergische Staatstheater wurde in den fünfziger und...

Pluralistischer Zeitgeschmack

Ein erstaunliches Ritual ereignete sich am 24. Dezember des Jahres 1907 in einem unter-irdischen Gewölbe des Palais Garnier, der Pariser Opéra: Eine Gruppe vornehm gekleideter Würdenträger deponierte dort an entlegener Stelle zwei topfartige Gefäße, in die man 24 Schallplatten mit Aufnahmen bekannter Sänger und Instrumentalisten dieser Zeit versenkt hatte, «Urnen»,...

Work in Progress

In der Verantwortung des Kultursekretariats NRW und der Landesregierung gibt es zwei Fonds: Einer heißt «Neues Musiktheater», der andere «Experimentelles Musiktheater». Worin unterscheiden sie sich, und wo arbeiten sie zusammen – denn trotz der unterschiedlichen Ansätze gibt es ja bestimmt auch Überschneidungen?
Der «Fonds Neues Musiktheater» ist eine schon etwas...