Frauenlist und -leiden

Pergolesi: La serva padrona/Stabat Mater
FRANKFURT| OPER

Opernwelt - Logo

Zu den fatalen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie gehören nicht nur rechte Verschwörungstheorien, sondern auch parareligiöse Rechtfertigungsversuche: Das Virus käme quasi zur rechten Zeit, um die fehlgeleitete Menschheit zur Umkehr zu bewegen, denn von «Fortschritt», Liberalität, Konsum und Reisen gelte es  Abschied zu nehmen. Doch in Anbetracht unzähliger Toter und wirtschaftlicher Desaster bleibt das zynisch: An der Katastrophe ist definitiv nichts Positives. Gleichwohl zeitigt sie einige nicht gar so negative Nebenwirkungen – und immerhin vertretbare Umdispositionen.

So hatte die Frankfurter Oper Offenbachs «Banditen» angekündigt, nicht eben häufig gespielt und allemal attraktiv. So schade es war, dass die Produktion ausfallen musste: Der Ersatz versöhnte mit der Enttäuschung. Denn wann hat man schon einmal Gelegenheit, die beiden Hauptwerke Pergolesis als Doppel zu erleben.

Giovanni Battista Pergolesi gehört zu den bekannten Unbekannten der Musikgeschichte. Der Name taucht zwar immer wieder auf, doch selbst Musik-Affine verbinden mit ihm allenfalls die Titel seiner Schlüsselwerke, der Buffa «La serva padrona» und des sakralen «Stabat Mater». Zufall ist dies keineswegs, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Stärkerer Kontrast

Hätte es 1870/71 zwischen Frankreich und Preußen keinen Krieg gegeben, dann gäbe es in Giuseppe Verdis «Aida» wohl weder die «Nil-Arie» noch das Orchestervorspiel zum dritten Akt, das die Atmosphäre einer überhitzten Nacht am Fluss so genial einfängt. Denn weil zum eigentlich für Kairo geplanten Uraufführungstermin Bühnenbilder und Kostüme im belagerten Paris...

Varieté sans vérité

In seiner Begrüßungsrede versprach Barrie Kosky dem Publikum «zweieinhalb Stunden vollkommenen Blödsinns» – womit seine Inszenierung beinahe erschöpfend umschrieben ist. General Bumm und die adligen Kretins am Gerolsteiner Hof turnen im kugelrunden Distanzdress über die leere Bühne, die Slapsticks sind auch nicht durchweg haute couture, sondern oft von der Stange,...

War was?

Anfang September nahm das Bolschoi Theater wieder den Spielbetrieb auf. Hinter der Bühne warnte ein Schild: «Es ist verboten, die Solisten zu umarmen. Bitte machen Sie keine Fotos mit dem Ensemble.» Zuvor war Russlands größtes Opernhaus für einige Monate geschlossen gewesen, seit dem späten Frühjahr wurden alle regulären Vorstellungen abgesagt, Neuproduktionen...