Frauenlist und -leiden
Zu den fatalen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie gehören nicht nur rechte Verschwörungstheorien, sondern auch parareligiöse Rechtfertigungsversuche: Das Virus käme quasi zur rechten Zeit, um die fehlgeleitete Menschheit zur Umkehr zu bewegen, denn von «Fortschritt», Liberalität, Konsum und Reisen gelte es Abschied zu nehmen. Doch in Anbetracht unzähliger Toter und wirtschaftlicher Desaster bleibt das zynisch: An der Katastrophe ist definitiv nichts Positives. Gleichwohl zeitigt sie einige nicht gar so negative Nebenwirkungen – und immerhin vertretbare Umdispositionen.
So hatte die Frankfurter Oper Offenbachs «Banditen» angekündigt, nicht eben häufig gespielt und allemal attraktiv. So schade es war, dass die Produktion ausfallen musste: Der Ersatz versöhnte mit der Enttäuschung. Denn wann hat man schon einmal Gelegenheit, die beiden Hauptwerke Pergolesis als Doppel zu erleben.
Giovanni Battista Pergolesi gehört zu den bekannten Unbekannten der Musikgeschichte. Der Name taucht zwar immer wieder auf, doch selbst Musik-Affine verbinden mit ihm allenfalls die Titel seiner Schlüsselwerke, der Buffa «La serva padrona» und des sakralen «Stabat Mater». Zufall ist dies keineswegs, ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhard R. Koch
In seiner Begrüßungsrede versprach Barrie Kosky dem Publikum «zweieinhalb Stunden vollkommenen Blödsinns» – womit seine Inszenierung beinahe erschöpfend umschrieben ist. General Bumm und die adligen Kretins am Gerolsteiner Hof turnen im kugelrunden Distanzdress über die leere Bühne, die Slapsticks sind auch nicht durchweg haute couture, sondern oft von der Stange,...
Kurz war er, der Sommer der Anarchie. Kurz, aber schön. Intensiv, gedankenreich, lustvoll. Zugleich ähnelte er ein wenig jener blassblauen Frauenhandschrift, die weiland den Werfel’schen Sektionschef Leonidas so tief bewegte: Als der Brief Vera Wormsers eintrifft, ist ihre Handschrift kaum mehr zu entziffern – und doch so präsent wie eine wehmütige Erinnerung....
Beethoven und kein Ende im Jubiläumsjahr, das musikalisch hauptsächlich virtuell stattfand. Umso heftiger schlug die Buchbranche zu. Besonderes Interesse weckte die Biografie des Stuttgarter Bratschisten und Musikantiquars Ulrich Drüner, der 2016 mit einem denkmalstürzenden Wagner-Buch Aufsehen erregt hatte. Jetzt versucht er Beethovens «komplexe Persönlichkeit»...
