Frauenlist und -leiden
Zu den fatalen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie gehören nicht nur rechte Verschwörungstheorien, sondern auch parareligiöse Rechtfertigungsversuche: Das Virus käme quasi zur rechten Zeit, um die fehlgeleitete Menschheit zur Umkehr zu bewegen, denn von «Fortschritt», Liberalität, Konsum und Reisen gelte es Abschied zu nehmen. Doch in Anbetracht unzähliger Toter und wirtschaftlicher Desaster bleibt das zynisch: An der Katastrophe ist definitiv nichts Positives. Gleichwohl zeitigt sie einige nicht gar so negative Nebenwirkungen – und immerhin vertretbare Umdispositionen.
So hatte die Frankfurter Oper Offenbachs «Banditen» angekündigt, nicht eben häufig gespielt und allemal attraktiv. So schade es war, dass die Produktion ausfallen musste: Der Ersatz versöhnte mit der Enttäuschung. Denn wann hat man schon einmal Gelegenheit, die beiden Hauptwerke Pergolesis als Doppel zu erleben.
Giovanni Battista Pergolesi gehört zu den bekannten Unbekannten der Musikgeschichte. Der Name taucht zwar immer wieder auf, doch selbst Musik-Affine verbinden mit ihm allenfalls die Titel seiner Schlüsselwerke, der Buffa «La serva padrona» und des sakralen «Stabat Mater». Zufall ist dies keineswegs, ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhard R. Koch
Gleich im ersten Bild von Evgeny Titovs Inszenierung der Schicksalsoper «Lady Macbeth von Mzensk» herrscht beklemmende Tristesse. Die Bühne (Christian Schmidt) ist verödet und grau, von den Wänden starrt der Schmutz; das alles erinnert doch sehr an einen verlassenen Schlachthof oder Gefängniswaschraum. Die abweisende Kälte dieses Ortes steht in diametralem...
Herr Schuen, zwei «Così»-Strichfassungen: Fühlt man sich da nicht schizophren?
Ein bisschen schon. Ich bekam die Münchner Fassung ein paar Wochen im Voraus, als ich noch in Salzburg beschäftigt war. Und ich schaute erst gar nicht rein, um mich nicht zu verwirren. Als ich dann drei, vier Tage Zeit hatte, konnte ich diese Version lernen. Ich hatte das Glück, dass in...
Anno 1728, auf der einsamen Höhe seiner auf das Wesentliche fokussierten Kunst des Komponierens, lässt Händel die Tropfen des bitteren Kelches gleichsam in die Venen des Helden Tolomeo einsickern. Der wähnt sich dem selbst gewählten Gifttode ganz nah, als er in seiner Arie «Stille amare, già vi sento» fragt: «Wo bin ich, lebe ich noch?» Der einstige König von...
