Französisches Barockglück
Wenn auch nicht seine letzte Oper, so ist die 1686 uraufgeführte «Armide» dennoch der Gipfel von Jean-Baptiste Lullys musikdramatischem Schaffen: die Erfüllung eines Prozesses musikdramatischer Verknappung, den der Komponist und sein Librettist Philippe Quinault 13 Jahre zuvor mit ihrer ersten Tragédie lyrique «Cadmus et Hermione» begonnen hatten. Klar und zielgerichtet wie in keiner anderen Lully-Oper wird die Geschichte der unglücklich verliebten Zauberin erzählt, und selbst die Tanzeinlagen sind bruchlos in die dramatischen Spannungsbogen integriert.
Vor allem aber ist die Titelheldin die stärkste und individuellste Opernfigur Lullys, deren Wandlung von der starken Frau zum hilflosen Opfer der eigenen Gefühle bei Lully mindestens ebenso minutiös nachvollzogen wird wie ein Jahrhundert später in Glucks Vertonung des Stoffes. Es ist die Stärke von Robert Carsens gefeierter Pariser Produktion (siehe OW 12/2008), dass sie diese Qualitäten des Stücks in den Vordergrund rückt. Was im Prolog noch witzig als Touristenführung durch Versailles beginnt, schlägt bald in ein konzentriertes Beziehungsdrama um, das sich in einem dunklen, sparsam möblierten Bühnenraum abspielt. Es ist eine ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 44
von Jörg Königsdorf
Auch die Tiroler Festspiele in Erl haben in diesem Jahr mit «Tannhäuser» eröffnet – selbstbewusster Fingerzeig Richtung Bayreuth? Vielleicht nur Koinzidenz ohne Hintergedanken, trotzdem eine verblüffende Parallele. Natürlich hinkt der Vergleich, in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist das Passionsspielhaus in Erl schon von der Klangarchitektur ein kompletter...
Seit Peter Gelb vor fünf Jahren die Leitung der Metropolitan Opera übernommen hat, ist dort auf szenischem Gebiet eine vorsichtige Annäherung an die Standards des europäischen Musiktheaters zu konstatieren. «Vorsichtig» bedeutet: Die Inszenierungen begnügen sich nicht damit, den auftretenden Sänger-Stars einen dekorativen Rahmen zu bieten, wagen die Stücke...
Franz Liszt kam von einer Luxemburg-Reise nach Bayreuth, mitten in der Festspielzeit. Über seine Besuche der Vorstellungen von «Parsifal» am 23. Juli 1886 und «Tristan» am 25. Juli divergieren die Meinungen. Während Oliver Hilmes diese Besuche nur erwähnt, stellt Michael Stegemann sie in einen Kontext. Liszt-Tochter Cosima, verwitwete Wagner, soll gesagt haben: «Es...
