Im Klassenzimmer
Sind in «Rinaldo» cineastische Qualitäten zu finden? Robert Carsen scheint das zu glauben. Oft denkt man an James Bond-Filme oder das Fantasy-Genre, während man seine Inszenierung in Glyndebourne verfolgt. Er liebt das Magische, die Intrigen in dieser zur Zeit des Ersten Kreuzzugs spielenden Geschichte. Für historische Aufführungspraxis, die Bühneneffekte des Uraufführungsjahres 1711 etwa, interessiert er sich nicht. Gideon Davey, Carsens Bühnenbildner, lässt in Glyndebourne die Geschehnisse in einem heutig anmutenden englischen Klassenzimmer samt Schulbänken und Tafel stattfinden.
Die Kreuzfahrer tragen Sakkos und graue Hosen, rüsten sich jedoch für ihre Schlachten mit Brustpanzer und glänzenden Helmen. Die von Anett Fritsch so beweglich verkörperte wie bezaubernd gesungene Almirena ist zunächst nur als Pin-up-Girl an Rinaldos Pult präsent. Als Rinaldo durch ein Gerangel abgelenkt wird, gerät die Handlung durcheinander; andere Jungs reißen das Foto von Almirena an sich und pressen es sich obszön in den Schritt, während Goffredo, Armida und Argante in Lehrerkluft, mit Doktorhut eintreten. Carsen inszeniert durchaus mit Liebe zum erzählerischen Detail, doch gerät der Erzählfluss ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 67
von Uwe Schweikert
Herr Reuter, bei Ihnen könnte sogar ein kleines Kind erraten, dass Sie Sänger sind. Sie haben die klassische Opernsänger-Sprechstimme
Ich weiß (lacht). Ich habe in Wirklichkeit keine Sprechstimme, sondern spreche mit meiner Opernstimme. Es hat sich irgendwie so entwickelt. Die Sache ist nur die: Ich versuche auch umgekehrt, mit meiner Sprechstimme zu singen. Ich...
Als sie 2004 aus Kiel an die Deutsche Oper Berlin wechselte, schwebte über dem einst legendären Haus der Ruf einer Krisenstätte: Christian Thielemann war im Zorn abgetreten; das Orchester schmollte, weil es sich finanziell benachteiligt fühlte; das Repertoire war in beklagenswertem Zustand; die Politik brütete über Fusionsplänen. Und dann hatte Kirsten Harms ...
Wenn auch nicht seine letzte Oper, so ist die 1686 uraufgeführte «Armide» dennoch der Gipfel von Jean-Baptiste Lullys musikdramatischem Schaffen: die Erfüllung eines Prozesses musikdramatischer Verknappung, den der Komponist und sein Librettist Philippe Quinault 13 Jahre zuvor mit ihrer ersten Tragédie lyrique «Cadmus et Hermione» begonnen hatten. Klar und...
