Im Klassenzimmer
Sind in «Rinaldo» cineastische Qualitäten zu finden? Robert Carsen scheint das zu glauben. Oft denkt man an James Bond-Filme oder das Fantasy-Genre, während man seine Inszenierung in Glyndebourne verfolgt. Er liebt das Magische, die Intrigen in dieser zur Zeit des Ersten Kreuzzugs spielenden Geschichte. Für historische Aufführungspraxis, die Bühneneffekte des Uraufführungsjahres 1711 etwa, interessiert er sich nicht. Gideon Davey, Carsens Bühnenbildner, lässt in Glyndebourne die Geschehnisse in einem heutig anmutenden englischen Klassenzimmer samt Schulbänken und Tafel stattfinden.
Die Kreuzfahrer tragen Sakkos und graue Hosen, rüsten sich jedoch für ihre Schlachten mit Brustpanzer und glänzenden Helmen. Die von Anett Fritsch so beweglich verkörperte wie bezaubernd gesungene Almirena ist zunächst nur als Pin-up-Girl an Rinaldos Pult präsent. Als Rinaldo durch ein Gerangel abgelenkt wird, gerät die Handlung durcheinander; andere Jungs reißen das Foto von Almirena an sich und pressen es sich obszön in den Schritt, während Goffredo, Armida und Argante in Lehrerkluft, mit Doktorhut eintreten. Carsen inszeniert durchaus mit Liebe zum erzählerischen Detail, doch gerät der Erzählfluss ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 67
von Uwe Schweikert
Franz Liszt kam von einer Luxemburg-Reise nach Bayreuth, mitten in der Festspielzeit. Über seine Besuche der Vorstellungen von «Parsifal» am 23. Juli 1886 und «Tristan» am 25. Juli divergieren die Meinungen. Während Oliver Hilmes diese Besuche nur erwähnt, stellt Michael Stegemann sie in einen Kontext. Liszt-Tochter Cosima, verwitwete Wagner, soll gesagt haben: «Es...
Wagners vierteiliges Bühnenfestspiel «Der Ring des Nibelungen» ist längst kein Privileg der großen Häuser mehr. Warum das so ist, erklärt der Lübecker Opernchef Roman Brogli Sacher ganz unbefangen so: «Als Dirigent bin ich glücklich, einmal im Leben diesen Zyklus gemacht zu haben.» Seine Kollegen denken ebenso, sagen es vielleicht nicht so offen. Eine Aufführung...
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