Ich will nicht Sklave meines Berufs werden

Das bezaubernde Bildnis hat er unzählige Male besungen. Tamino und die anderen lichten, jugendlichen Helden sind zu Visitenkarten von Pavol Breslik geworden. Dabei kam der Slowake eher zufällig zur Oper, über Langspielplatten in der Schulbibliothek. Die Welt der Prinzen und Liebhaber, der Guten und Schönen ist dem lyrischen Tenor, der in der «Opernwelt»-Umfrage 2005 zum «Nachwuchssänger des Jahres» gewählt wurde, mittlerweile etwas eng geworden. Er sehnt sich nach Größerem – und Dunklerem

Opernwelt - Logo

Herr Breslik, Fenton, Alfredo – ist das das Verdi-Terrain, über das es nicht hinausgehen soll?
Genau, mehr will ich noch nicht wagen. Vielleicht, wenn ich mal die 40 überschritten habe, den Duca. Don Carlo oder Gabriele Adorno, dahin werde ich wohl nie kommen – aber wer weiß? Wenn die Stimme an Breite gewinnt, und dies ganz natürlich passiert, ohne dass man irgendwas pusht … Ich zwinge meine Stimme nicht, ich lasse sie einfach machen.

Das sagt sich immer so leicht. Im Opernbetrieb werden Premieren weit vorher fixiert.

Woher weiß man denn, wo man in fünf Jahren steht?
Das stimmt schon. Körper, Stimme und Seele müssen immer zusammenpassen. Ich probiere daheim manches aus, wenn eine Anfrage kommt. Ich lasse mich von meiner Professorin beraten, arbeite mit einem Pianisten … Ich weiß aber, wo meine Grenzen sind. Die zu übertreten, lohnt sich unterm Strich nicht.

Sie arbeiten noch mit einer Lehrerin?
Oh ja! Sie wird dieses Jahr 80. Ich arbeite nicht regelmäßig mit ihr, weil ich sehr viel unterwegs bin. Wenn es möglich ist, fahre ich nach Hause in die Slowakei. Wir trinken Kaffee, unterhalten uns, und dann geht es an die Stimme. Stundenlange Sitzungen sind das. Arme Nachbarn. Meine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Interview, Seite 53
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
TV-Klassiktipps September/Oktober 2017

arte

03.09. – 17.15 Uhr
Pavarotti – ein Sänger für das Volk

Vom Meistertenor zur Pop-Ikone: Am 6. September 2017 begeht die Musikwelt den 10. Todestag von Luciano
Pavarotti. Der Beitrag schildert zum Auftakt der Reihe «Legendäre Stimmen» anhand von Interviews mit Musikern wie Sting, Plácido Domingo und Ruggero Raimondi sowie Freunden und Verwandten des Sängers, wie...

Garantiert nutzerfreundlich

Kein Zweifel: Es hebt die Stimmung, wenn ein ausverkaufter Saal über eine nagelneue Oper und den 40-jährigen Komponisten in Jubel ausbricht. Mit Mason Bates’ «The (R)evolution of Steve Jobs» ist Santa Fe ein Marketing-Coup gelungen. Wegen der großen Nachfrage wurde eine Zusatzvorstellung anberaumt; das Label Pentatone schnitt das ohne Hilfe (oder Widerstand) der...

Trägt der Teufel Prada?

In diesem Jahr hätte der berühmte Gesangslehrer Rodolfo Celletti, einer der geistigen Väter von Martina Franca, seinen hundertsten Geburtstag gefeiert: Deshalb war die 43. Runde des Festivals im sonnigen Apulien seinem Andenken gewidmet – der nach Celletti benannte Preis ging an den mexikanischen Tenor Ramón Vargas. Zwar nahm sich das Programm in den letzten Jahren...