Formidabler Kraftakt
Wohnt jedem Anfang ein Zauber inne? Mit der Wahl von Paul Hindemiths «Mathis der Maler» zum Auftakt ihrer ersten Saison an der Hamburgischen Staatsoper wollte Simone Young «ein Zeichen» setzen. Die Oper stelle die Frage «nach der Rolle des Künstlers in Politik und Gesellschaft» und danach, «welche Funktion die Kunst in einer Zeit ausübt, in der die Welt vor schwierigen Problemen steht».
Diesbezügliche Implikationen gibt es in Fülle: die Entstehungsgeschichte des Werks nach der Machtergreifung der Nazis, durch die der Komponist selbst zum leidenden Widergänger seines Protagonisten, des Malers Matthias Grünewald, wurde; die Angst oder die Einsicht des Künstlers im Dialog mit dem Bauernführer Hans Schwalb, dass ein Bild gemalter Heiliger die Welt nicht verbessere, und schon gar nicht jene, die sich die Köpfe einschlagen; der Zorn des Aufständischen darüber, dass «Recht nur der Reiche» hat. «Den armen Hansen darf jeder schinden. Wenn er nur immer wieder dem Fürsten und Pfaffen den Ranzen stopft» – das könnte zünden in Zeiten gesellschaftlicher Refeudalisierung, klänge es nicht gar zu plan und pathetisch nach den Parolen von Thesenträgern wie Gregor G. und Oskar L.
Dass die Oper trotz ...
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