Formidabler Kraftakt
Wohnt jedem Anfang ein Zauber inne? Mit der Wahl von Paul Hindemiths «Mathis der Maler» zum Auftakt ihrer ersten Saison an der Hamburgischen Staatsoper wollte Simone Young «ein Zeichen» setzen. Die Oper stelle die Frage «nach der Rolle des Künstlers in Politik und Gesellschaft» und danach, «welche Funktion die Kunst in einer Zeit ausübt, in der die Welt vor schwierigen Problemen steht».
Diesbezügliche Implikationen gibt es in Fülle: die Entstehungsgeschichte des Werks nach der Machtergreifung der Nazis, durch die der Komponist selbst zum leidenden Widergänger seines Protagonisten, des Malers Matthias Grünewald, wurde; die Angst oder die Einsicht des Künstlers im Dialog mit dem Bauernführer Hans Schwalb, dass ein Bild gemalter Heiliger die Welt nicht verbessere, und schon gar nicht jene, die sich die Köpfe einschlagen; der Zorn des Aufständischen darüber, dass «Recht nur der Reiche» hat. «Den armen Hansen darf jeder schinden. Wenn er nur immer wieder dem Fürsten und Pfaffen den Ranzen stopft» – das könnte zünden in Zeiten gesellschaftlicher Refeudalisierung, klänge es nicht gar zu plan und pathetisch nach den Parolen von Thesenträgern wie Gregor G. und Oskar L.
Dass die Oper trotz ...
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Geschlossene Aufführungen von Puccinis «Trittico» sind rar. Das war schon nach der Uraufführung am 14. Dezember 1918 in New York absehbar. Die drei völlig unterschiedlichen Geschichten – «Il tabarro» spielt im großstädtischen Paris der Jahrhundertwende, «Suor Angelica» in einem abgeschiedenen Nonnenkonvent, «Gianni Schicchi» 1299 in Florenz – überzeugten das...
Im Foyer des Theaters an der Wien gleich neben dem Kartenbüro ist jenes Zimmer eingerichtet, in dem Beethoven wohnte, als er für den Direktor Schikaneder dessen Drama «Vestas Feuer» in Musik zu setzen suchte, und später, als er unter Schikaneders Nachfolger Zitterbarth am «Fidelio» für die Uraufführung des Werks im Jahre 1805 arbeitete.
Zweihundert Jahre danach bot...
Es ist ein schönes Bellini-Paket, das TDK nach «Beatrice di Tenda» aus Zürich von 2001 mit «La sonnambula» aus Florenz (2004), «Norma» aus Parma (2001) und «I puritani» aus Barcelona (2001) geschnürt hat – mit drei Primadonnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, und drei Stücken, die die ganze Bandbreite des Komponisten zwischen romantischem Märchen,...
