Fordern und gefordert werden
Schon bei seinem Amtsantritt im Januar konnte man es hören: Ungewohnt fein und transparent klang da Richard Strauss’ gigantisch instrumentierte «Elektra»-Partitur, schlank und beweglich präsentierte sich das Orchester. Unverkennbar stand da ein Mann im Graben, der sehr präzise Vorstellungen vom Klang seines Orchesters hatte – und diese auch umzusetzen wusste. Dieser Eindruck bestätigte sich in der auch überregional viel beachteten Produktion von Karol Szymanowskis «König Roger» und in der aktuellen Neuinszenierung von Wagners «Tannhäuser».
Auch hier findet Blunier einen ganz eigenen, aber sehr plausiblen Ansatz. Er versucht nicht, die Disparitäten der Dresdner und der Pariser Fassung abzumildern. Im Gegenteil: Er betont sie, indem er die schillernde Harmonik und die rauschhafte Farbigkeit der nachkomponierten Passagen breit und klangsinnlich entfaltet, während er andererseits die aus der Dresdner Urfassung stammenden Teile knapp, präzise und durchsichtig musizieren lässt – die frühe deutsche Romantik, Weber, Marschner, klingen deutlich durch. «So, wie Wagner das Stück hinterlassen hat», sagt der Dirigent, «hat es nun einmal seine Brüche und Widersprüche, und darin liegt auch eine ...
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Er zählte zu den Begründern und prominentesten Vertretern der europäischen Klangkunst. Seine Installationen und live-elektronischen Musik-Performances wurden weltweit präsentiert. Seit 1995 hatte Julius eine Gastprofessur an der Hochschule der Künste in Bremen inne, 2005 wurde er mit dem Hannah-Höch-Preis ausgezeichnet.
Giovanni Simone Mayrs 1813 in Neapel uraufgeführte Opera seria «Medea in Corinto» zeigt nicht nur eine rächende Kindsmörderin, das Stück kehrt auch die zarten Seiten der Figur hervor. Regisseur David
Alden übersetzt in St. Gallen ihre reichen Facetten in starke Bilder. Im Finale des ersten Akts ist Medea als schwarzer Todesvogel verkleidet, setzt eine Krähe auf den...
Bis heute ist Verdis «Simon Boccanegra» ein Stück für Kenner geblieben. Wunschkonzertmelodien wird man hier vergeblich suchen, dafür aber mit einer im Werk des Komponisten beispiellosen Kompromisslosigkeit konfrontiert. Erreicht hat Verdi sein Ziel erst im zweiten Anlauf, als er die erfolglose Oper 1881, 24 Jahre nach ihrer Uraufführung, mit der dramaturgischen...
