Fordern und gefordert werden
Schon bei seinem Amtsantritt im Januar konnte man es hören: Ungewohnt fein und transparent klang da Richard Strauss’ gigantisch instrumentierte «Elektra»-Partitur, schlank und beweglich präsentierte sich das Orchester. Unverkennbar stand da ein Mann im Graben, der sehr präzise Vorstellungen vom Klang seines Orchesters hatte – und diese auch umzusetzen wusste. Dieser Eindruck bestätigte sich in der auch überregional viel beachteten Produktion von Karol Szymanowskis «König Roger» und in der aktuellen Neuinszenierung von Wagners «Tannhäuser».
Auch hier findet Blunier einen ganz eigenen, aber sehr plausiblen Ansatz. Er versucht nicht, die Disparitäten der Dresdner und der Pariser Fassung abzumildern. Im Gegenteil: Er betont sie, indem er die schillernde Harmonik und die rauschhafte Farbigkeit der nachkomponierten Passagen breit und klangsinnlich entfaltet, während er andererseits die aus der Dresdner Urfassung stammenden Teile knapp, präzise und durchsichtig musizieren lässt – die frühe deutsche Romantik, Weber, Marschner, klingen deutlich durch. «So, wie Wagner das Stück hinterlassen hat», sagt der Dirigent, «hat es nun einmal seine Brüche und Widersprüche, und darin liegt auch eine ...
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Was immer auf der Wartburg vorgefallen ist: Tannhäuser macht erst mal die Schotten dicht. Sein Rückzug, so die Interpretation von Rosamund Gilmore, lässt sich als Ausflucht eines Künstlers deuten, der auf seine Weise die eigene Schaffenskrise zu bewältigen sucht. Folglich richtet Carl Friedrich Oberle dem renitenten Minnesänger auf der Bühne des Staatstheaters...
Sowohl Claus Guth (in Hamburg) als auch Anselm Weber (in Essen) standen vor dem nahezu unlösbaren Problem, etwas Eigenes zum Thema «Siegfried» zu (er)finden. Mit Hilfe ihrer Bühnen- und Kostümbildner dekorierten sie das Ganze einfach um, wobei die «neuen» Schaufenster nicht viel anders ausschauten als viele alte zuvor. Claus Guth wollte die Geschichte wohl als eine...
Es gehört schon eine feine Spürnase dazu, zwei so abgelegene Stücke wie Giacomo Puccinis «Le Villi» und Franco Leonis «L’oracolo» auszugraben. Und es fordert eine Menge Mut, sie zu verbinden und einem weitgehend ahnungslosen Publikum anstelle des gewohnten Doppels «Cavalleria rusticana»/«I pagliacci» vorzusetzen. Viel haben die beiden Stücke nämlich nicht...
