Folge den krummen Pfaden
Das höchste Ziel eines Schriftstellers habe es zu sein, die Welt in Sprache zu verwandeln, ihren krummen Pfaden zu folgen und zu sehen, was Sprache mit Erfahrung macht. So Peter Handke. Man könnte dies in erweitertem Sinne – ersetzt man «Sprache» durch «Musik», oder noch besser: verbindet man beides – auch auf Marlis Petersen und ihr Triptychon «Dimensionen» anwenden, das sie nun mit dem Album «Innenwelt» (nach «Welt» und «Anderswelt») abschließt. Dabei stellt sie erneut die Sinnfrage nach dem Leben in Zeiten großer Verunsicherung.
Indes ist ihre Kreativität nicht unmittelbar eigenschöpferisch wie jene Handkes, sondern mittelbar interpretatorisch, doch erzielt sie auch durch eine inhaltlich und musikalisch klug gestaltete Dramaturgie starke Aussagen. Im Sinne einer Kugelgestalt der Zeit verbindet sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, gibt quasi Hilfestellung zum Ausbruch aus dem Alltag, zur Kontemplation über «unser grandioses Leben». In diesem Zusammenhang ruft sie Lieder von Brahms, Liszt, Reger, Schubert, Richard Strauss, Wolf, Wagner, aber auch Trouvaillen von Robert Fürstenthal, Richard Rössler, Hans Sommer und Karl Weigl sowie – im französischen Teil – Henri Duparc, ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
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