Flüstern und Schreien

Calixto Bieito zeigt in seiner Inszenierung von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» am Grand Théâtre de Genève ungeschönt die Brutalität sexueller Unterwerfung, Alejo Pérez entwirft entsprechend drastische Klangbilder

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Heitere Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande keimen in diesem Ambiente nicht einmal ansatzweise auf. Der (fraglos unfruchtbare, ja massiv umweltverschmutzte) Schlamm auf dem Bühnenboden des Grand Théâtre de Genève ist sogar so tief, dass das Regieteam einschließlich des Dirigenten zum Schlussapplaus in Gummistiefeln erscheint, um die eigene Premierenrobe nicht zu verunreinigen.

Wenn indes Katerinas sadistischer Schwiegervater Boris aus dem düster-infernalischen Industriedesign ihre in klinisch kaltes Küchenweiß getauchte gute Stube betritt, dann putzt dieses Schwein von Mann (Dmitry Ulyanov verleiht dem üblen Patriarchen bassgeschmeidige Hinterlist) ganz brav seine Cowboyboots. Es dürfte die einzige an diesem Unort noch befolgte Anstandsregel sein. Ansonsten herrscht hier das ungeschriebene radikale Recht des Stärkeren, wie es gemeinhin dem männlichen Geschlecht zugeschrieben wird – und wie es in diesem durch enthemmte Horden von Arbeitern in dreckigen Overalls geprägten apokalyptischen Komplex keinerlei Korrektiv kennt. Boris mag der rohen Masse Mann punktuell zwar noch Einhalt zu gebieten, wenn er den Vergewaltiger der Köchin Aksinja (Julieth Lozano gibt sie entgegen dem ...

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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Peter Krause

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