Drahtseilakt
Am 5. Oktober 1763, auf den Tag genau ein Jahr nach Glucks Reformoper «Orfeo ed Euridice», hatte Tommaso Traettas «Ifigenia in Tauride» in Wien Premiere – allerdings nicht im Burgtheater, sondern in Schloss Schönbrunn. Traetta war unter den Italienern neben dem seit 1754 als Hofkapellmeister in Stuttgart wirkenden Niccolò Jommelli noch vor Gluck der Erste, der Elemente der französischen Tragédie lyrique, wie er sie vor allem bei Rameau und seinen Zeitgenossen gut kennenlernte, mit der klugen Dramaturgie der metastasianischen Opera seria verschmolz.
Die durchlässigeren Grenzen zwischen Secco-Rezitativ und Arie, die harmonisch kühnen Accompagnati, die zahlreichen Chöre, die Tänze der Sturm- und Furienszene, nicht zuletzt der düstere, durch die scharfen Holzbläser bestimmte Orchesterklang sind Ausdruck einer emotionalen Seelensprache, die die starre Antithetik der aufklärerischen Seria-Rhetorik zu überwinden sucht. Wie alle frühklassischen Reformer fällt Traetta jedoch immer wieder in den Tonfall der traditionellen Seria zurück – am stärksten in den Da-Capo-Arien, die mit stupender, theatralischer Virtuosität auftrumpfen. Die Klassik wetterleuchtet in dieser Musik, ja selbst die ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Medien, Seite 45
von Uwe Schweikert
Die Schubertiade feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Seit 1976 trifft hier die Crème de la Crème des Liedgesangs und der Klavier- und Kammermusik auf ein internationales Publikum, stets verbunden mit dem Anspruch, «die Werke Franz Schuberts in einem kleinen Rahmen auf exemplarische Weise zur Aufführung zu bringen», wie ihn Festivalgründer Hermann Prey...
Gott! Welch Dunkel hier! Was schon Beethovens bekleckerten Helden Florestan zutiefst bekümmerte (allerdings aus anderen Gründen und unter weit widrigeren Umständen), muss auch der Gast sich denken, der Anna Dreschers «Rigoletto»-Inszenierung in Tatjana Ivschinas Ausstattung im Badischen Staatstheater ansichtig wird. Viel Hoffnung gewährt das Regieteam uns nicht,...
Ein Drama ist’s, ein gar schauerliches dazu. Und gleich in der ersten Strophe von Heines Ballade «Ritter Olaf» werden die katastrophischen Dimensionen dessen, was danach geschieht, schon in Umrissen deutlich: «Vor dem Dome stehn zwei Männer, / Tragen beide rote Röcke, / Und der Eine ist der König / Und der Henker ist der andere.» Und die dritte, möchte man...
