Fluch der Liebe
Vor zwei Spielzeiten wurde an der Pariser Opéra Comique Glucks «Armide» aufgeführt – mit dem Originalklangensemble Les Talens Lyriques unter Leitung von Christophe Rousset und in einer Inszenierung durch Lilo Baur. Das gleiche Team verantwortete nun die «Armide» von Jean Baptiste Lully.
Nachdem die Schweizer Regisseurin bereits 2022 für ihren übertriebenen Minimalismus kritisiert wurde, sieht es bei dieser «neuen» Inszenierung nicht viel anders aus: Man sieht ein paar silberne Vorhänge im Palast der Zauberin Armida, jedoch fehlen weiterhin die Wunderdinge, die im Libretto von Philippe Quinault zart angedeutet werden. Quinault schrieb seinen Text für Lullys 1686 an der Acádemie Royale uraufgeführte Tragédie lyrique, Gluck verwendete ihn 1777 für seine Oper.
Abgesehen von den magischen Ingredienzen fällt bei Quinaults (von Lully mit großer Sensibilität vertonten) Versen die Fähigkeit zur psychologischen Charakterisierung der Protagonistin ins Gewicht. Armida wird vom klassischen Konflikt zwischen der Liebe und der Loyalität zu ihrer (syrischen) Heimat zerrissen. Im Gegensatz zu anderen Opernadaptionen bringt dieser Aspekt das Libretto in deutliche Nähe zur Originalquelle, Torquato ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Stefano Nardelli
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