Schwarze Löcher

Beethoven: Fidelio and er Oper Amsterdam

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Beethovens «Fidelio» mit seinem Nebeneinander von Biedersinn und der Feier des Humanen stellt jede Regie zunächst einmal vor ein generelles Problem. Was tun mit dem widersprüchlichen Werk? Ob die zur Gewohnheit gewordene Lösung dieses Problems durch ein oratorienhaftes Blow up ins Allgemeinmenschliche noch trägt, darf und muss man bezweifeln; zugleich bietet die Leerstelle Gelegenheit für radikale Lektüren.

Das nun in Amsterdam zu erlebende muntere Herumzitieren von allem Möglichen, die Bedeutungshuberei im Dienst einer unterkomplex sich darstellenden Story von einer gestörten Weltharmonie im Fantasy-Kampf von Gut gegen Böse, zeitigt jedoch keinen Gewinn. Es ist vielmehr ein Unglück. Doch der Reihe nach. Als Marzelline, die hier als ein ziemliches Luder erscheint, und der unbedarfte Jaquino ihr Beziehungsgespräch führen, mit dem Beethoven so singspielhaft-kleinbürgerlich beginnt; bevor es dann schnell ums große Ganze, ja, nicht weniger als um «der Menschheit Stimme» geht, da haben wir schon zehn Bühnenbilder und eine Astro -physiker-Konferenz (als Vorspiel) hinter uns. Eine Wissenschaftlerin – sie sieht aus wie später Leonore – gibt bekannt, dass ein großes schwarzes Loch auf die ...

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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Holger Noltze

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