Schwarze Löcher
Beethovens «Fidelio» mit seinem Nebeneinander von Biedersinn und der Feier des Humanen stellt jede Regie zunächst einmal vor ein generelles Problem. Was tun mit dem widersprüchlichen Werk? Ob die zur Gewohnheit gewordene Lösung dieses Problems durch ein oratorienhaftes Blow up ins Allgemeinmenschliche noch trägt, darf und muss man bezweifeln; zugleich bietet die Leerstelle Gelegenheit für radikale Lektüren.
Das nun in Amsterdam zu erlebende muntere Herumzitieren von allem Möglichen, die Bedeutungshuberei im Dienst einer unterkomplex sich darstellenden Story von einer gestörten Weltharmonie im Fantasy-Kampf von Gut gegen Böse, zeitigt jedoch keinen Gewinn. Es ist vielmehr ein Unglück. Doch der Reihe nach. Als Marzelline, die hier als ein ziemliches Luder erscheint, und der unbedarfte Jaquino ihr Beziehungsgespräch führen, mit dem Beethoven so singspielhaft-kleinbürgerlich beginnt; bevor es dann schnell ums große Ganze, ja, nicht weniger als um «der Menschheit Stimme» geht, da haben wir schon zehn Bühnenbilder und eine Astro -physiker-Konferenz (als Vorspiel) hinter uns. Eine Wissenschaftlerin – sie sieht aus wie später Leonore – gibt bekannt, dass ein großes schwarzes Loch auf die ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Holger Noltze
Ein Triple infernale, zumindest für das Münchner Publikum: Krzysztof Pendereckis «Die Teufel von Loudun» bei den Opernfestspielen 2022, Bratt Deans «Hamlet» im vergangenen Jahr – und nun «Le Grand Macabre» von György Ligeti. Das ist schwer verdauliche Kost, die Intendant Serge Dorny da jeweils zum Auftakt des Festivals serviert(e). Zumal an einem Ort, wo der...
In Bulgarien wird traditionell viel Musik von Giuseppe Verdi und von Giacomo Puccini gespielt, das deutsche Opernrepertoire hingegen ist nicht so stark vertreten. Umso erstaunlicher, dass das Opernhaus in Sofia nun schon zum sechsten Mal ein Wagner-Festival ausrichtet, das seinen Ausgang im Jahr 2010 mit einer Produktion des «Rheingold» nahm. Die drei restlichen...
Potzblitz, Parbleue und Himmelsakrament! An der Deutschen Oper Berlin ist der kurze (Früh-)Sommer der Anarchie ausgebrochen. Das Musiktheaterkollektiv «Hauen und Stechen» hat sich John Adams’ augenzwinkernder Politparabel «Nixon in China» angenommen, eines Stücks, das seit seiner Uraufführung 1987 in Houston Geister und Gemüter spaltet. Verfechter der Minimal Music...
