Flops, fortgesetzt

Köln, Rasch: Rotter / Wagner: Tannhäuser

Opernwelt - Logo

2006 wurde in Köln Jan Müller-Wielands «Held der westlichen Welt» präsentiert – ein buntes Stil-Crossover mit prächtigen (Quasi-)Zitaten zur schwarzen Komödie des John M. Synge: Das trunkene, maulheldenhafte, trostlose Irland von 1907 diente einem Hartz-IV-Musik­theater mit Berliner Volksbühnen-Charme als Vorlage. Nun kam mit «Rotter» das Gegenstück an den Nieder­rhein: ein Held der ehedem realsozialistischen Welt.


Katharina Thalbach, eine der Lebensgefährtinnen des 2001 verstorbenen Schriftstellers Thomas Brasch, verdichtete zusammen mit einem Dramaturgen der Kölner Oper «Rotter» zum Libretto. Braschs Schauspiel von 1977 rechnete mit einem robusten Typ des deutschen Kleinbürgers ab, auch mit dem eigenen Vater im Zentralkomitee der SED: Ein am Ende der zwanziger Jahre deklassierter Metzgerlehrling stößt zur «Bewegung», beteiligt sich an der Plünderung eines jüdischen Kleidergeschäfts, zieht mit der Wehrmacht in den Vernichtungskrieg, überlebt den «Zusammenbruch», macht sich in der SBZ nützlich, nimmt an der Niederschlagung des Aufstands vom 17. Juni 1953 und am industriellen Aufschwung der DDR teil.
An so viel vorbildlichem Aktivismus muss die Ehe des Karl Rotter zerbrechen. Zumal ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
Weitere Beiträge
Strauss: Intermezzo

Statt der Anekdote die Beinahe-Tragödie. Statt des gemütlichen Ambientes der Garmischer Richard-Strauss-Villa der sich öffnende und schließende, der immerfort kreisende Gasometer, aus dem es für die einsame Ehefrau Christine (alias Pauline) kein Entkommen gibt. Die Zürcher «Intermezzo»-Inszenierung Jens-Daniel Herzogs in der nüchtern-sach­lichen Ausstattung Mathis...

Eros des Augenblicks

«Es war ein wirkliches Erlebnis meines Beobachterjahres, als ich das Diminuendo seines hohen C's in ‹Salut, demeure chaste et pure› hörte. Solange ich lebe, werde ich die Schönheit dieses Tons nicht vergessen.»
(Rudolf Bing, «5000 Abende in der Oper»)

Als Rudolf Bing auf die Erfahrungen seines langjährigen Opernmanagerlebens zurückblickte, beschrieb er den Sizilianer...

Opernland Frankreich

Erlöste Welt, kristallklar

Hartmut Haenchen entdeckt an der Pariser Opéra Bastille Wagners «Parsifal» neu

Wagner, sagt Hartmut Haenchen, tickte deutlich schneller, als dessen durch wagnerianische Fürsorge gefestigter Ruf uns heute glauben macht. Schon für seinen Ams­terdamer «Ring»-Zyklus hatte der Dresdner Dirigent die Originalquellen studiert – und zwar nicht nur...