Feuerwerk an der Seitenlinie
Als zuletzt 2004 am Nürnberger Staatstheater «Die Großherzogin von Gerolstein» gespielt wurde, kam es zum Skandal. Im Zentrum standen seinerzeit der übergroße Phallus des Generals Bumm und eine Rakete, die unter US-amerikanischer Flagge durchs letzte Bild flog. Die USA hatten im Jahr zuvor den Irak überfallen, unter dem Vorwand, das Land besitze Massenvernichtungswaffen. Die deutsche Regierung hatte dem Bündnispartner die Glaubwürdigkeit abgesprochen und eine militärische Beteiligung weitgehend verweigert.
Der Nürnberger Stadtrat zeigte sich enragiert über die Inszenierung, bereits zur zweiten Aufführung ließ der Intendant sie kürzen. Dagegen prozessierte das Regieteam, so dass am Ende das Landgericht Nürnberg-Fürth eine dritte Fassung festschrieb.
Auch die Akten von damals liegen wahrscheinlich in den Rundungen des Archivs, das Harald Thor knapp zwanzig Jahre später für Jacques Offenbachs Opéra-bouffe auf dieselbe Bühne gebaut hat, sicher verstaut in einer der sich bis in den Schnürboden hinauf stapelnden Schubladen. Ein Heer von Archivaren in einheitlich schwarzen Perücken und mausgrauen Bürokratenuniformen wuselt zwischen altertümlicher Elektronik herum, ergeht sich in ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Michael Stallknecht
Prinz Harrys Enthüllungen der Sauereien im englischen Königshaus wirken fast wie das Greinen eines beleidigten Kindes im Vergleich zu dem Anblick, der sich uns am Beginn der Ouvertüre von Donizettis «Roberto Devereux» bietet. Auf der Bühne liegt die enthauptete Anne Boleyn in einer Blutlache, ihr Henker steht noch mit gezücktem Degen vor der Leiche; im Hintergrund...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Tränen gelacht zuletzt bei Tobias Kratzers «Götterdämmerung», als eine Norn und später Waltraute als meine Doppelgängerinnen auftraten.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Ich würde kein neues Haus bauen, vielmehr schauen, wie man die vielen, die es schon gibt, für die Zukunft erhalten und verändern kann. Wie kann man...
Die sanften Akkorde verbreiten Geborgenheit. Die helle, knabenhafte Stimme von Roman Melish berührt in ihrer Zerbrechlichkeit. «Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden», singt der ukrainische Countertenor. «Hast du mein Herz zu warmer Lieb’ entzunden, hast mich in eine bessre Welt entrückt!» Für diesen besonderen Liederabend Ende November 2022 mit dem von Franz...
