Liebes(un)glück
Ein Königreich für eine Wampe, pardon, für ein Embonpoint? Nicht in Nürnberg. Claudio Otellis Falstaff ist zwar kein James Dean und auch kein Casanova – ein Fettwanst aber ebensowenig. Seine Baritonstimme gleicht der Figur. Leicht füllig ist sie, dabei durchaus gelenkig, weder überbordend noch schwammig, eher stabil, gutsitzend in Mittellage wie Tiefe und flamboyant im höheren Register. Auch gleicht dieser Mann keinem Ritter aus fernen feudalen Zeiten.
Dieser Falstaff ist ein Bohémien und ausgebuffter Vorstadtganove: herrisch (zur Not gemein) seinen Helfershelfern gegenüber, aber eigentlich ein Mann, der nur noch eines will: genießen. Das Leben und die Liebe.
Jo Schramm hat für ihn und seine schlecht bezahlten Angestellten Bardolfo (vokal vital, schauspielerisch smart: Martin Platz) und Pistola (bärbeißig, mit bärig brummendem Bass: Taras Konoshchenko) ein trost- und traumloses Großstadtambiente auf die Bühne des Staatstheaters gebaut: einheitlich mausgrauer Beton, kein Grün nirgendwo, im Erdgeschoss ein gähnend leerer «King Kebab», der bei Fords pathosreicher Es-Dur-Arie im zweiten Akt plötzlich lichterloh erstrahlt wie die gesamte Fassade und einen videogenerierten Affen daran ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Jürgen Otten
Oper trifft auf Clubkultur – kreative Reform oder Höhepunkt der Gentrifizierung? In Kooperation mit dem Neuköllner Rollbergkiez brachte die Komische Oper Berlin nun ein Festival für modernes Musiktheater ins Areal der ehemaligen Kindl-Brauerei, wo heute unter anderem der beliebte SchwuZ-Club residiert.
Viel Subkultur wagte das als experimentierfreudig bekannte...
Mit seiner Inszenierung von Wagners «Parsifal» – einer der tiefsinnigsten und bildmächtigsten Regiearbeiten während der Intendanz von Peter Gelb – feierte François Girard 2013 einen Triumph an der Met. Enttäuschend fiel dagegen sieben Jahre später seine Lesart des «Fliegenden Holländers» aus, mit einer ineffektiven Personenführung und überflüssigen Videoeffekten....
Claudio Monteverdi, bekannte John Eliot Gardiner vor einigen Jahren im Gespräch mit dieser Zeitschrift, bleibe für ihn «der Maßstab schlechthin» (OW 12/2016). Wie maßstabsetzend Aufführungen von dessen Werken unter seiner Leitung bleiben, ließ zuletzt der Zyklus mit den drei erhaltenen Opern hören, für den Gardiner 2018 zum «Dirigenten des Jahres» gewählt wurde.
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