Liebes(un)glück
Ein Königreich für eine Wampe, pardon, für ein Embonpoint? Nicht in Nürnberg. Claudio Otellis Falstaff ist zwar kein James Dean und auch kein Casanova – ein Fettwanst aber ebensowenig. Seine Baritonstimme gleicht der Figur. Leicht füllig ist sie, dabei durchaus gelenkig, weder überbordend noch schwammig, eher stabil, gutsitzend in Mittellage wie Tiefe und flamboyant im höheren Register. Auch gleicht dieser Mann keinem Ritter aus fernen feudalen Zeiten.
Dieser Falstaff ist ein Bohémien und ausgebuffter Vorstadtganove: herrisch (zur Not gemein) seinen Helfershelfern gegenüber, aber eigentlich ein Mann, der nur noch eines will: genießen. Das Leben und die Liebe.
Jo Schramm hat für ihn und seine schlecht bezahlten Angestellten Bardolfo (vokal vital, schauspielerisch smart: Martin Platz) und Pistola (bärbeißig, mit bärig brummendem Bass: Taras Konoshchenko) ein trost- und traumloses Großstadtambiente auf die Bühne des Staatstheaters gebaut: einheitlich mausgrauer Beton, kein Grün nirgendwo, im Erdgeschoss ein gähnend leerer «King Kebab», der bei Fords pathosreicher Es-Dur-Arie im zweiten Akt plötzlich lichterloh erstrahlt wie die gesamte Fassade und einen videogenerierten Affen daran ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Jürgen Otten
Am Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine eine Oper, die vor dem Hintergrund der Eroberungsfeldzüge Ivans des Schrecklichen spielt: Georges Bizets «Ivan IV» aus der ersten Hälfte der 1860er-Jahre war ein lange Zeit glückloses Werk. Aufführungspläne scheiterten, der fünfte Akt blieb unfertig. Der bedeutende Bizet-Biograf Winton Dean stampfte das Libretto...
Der kleine Amor hat spürbar Lust auf diesen Abend. Zu den ersten Takten des Vorspiels klettert er aus den Tiefen des Bühnenbodens herauf, richtet die Kissen und zieht beim übergroßen Himmelbett die Gardinen zu für das, was wir im Orchestergraben ohnehin schon deutlich hören: den Liebesrausch zwischen der Marschallin und ihrer jugendlichen Amour fou Octavian. Nicht...
Herr MacNeil, auf Youtube gibt es einige Videos mit Ihnen. In einem ist zu sehen, wie Sie Rad schlagen. Wollten Sie ursprünglich Artist werden?
Ich wollte zunächst Lehrer werden. Aber nicht für Radschlagen. Das mache ich einfach gern, manchmal auch auf der Opernbühne. Regisseure mögen es ja, wenn jemand akrobatische Dinge beherrscht. In Humperdincks «Königskindern»...
