Feuerprobe bestanden
Oper – ein elitäres Unternehmen? Aber, nein! Den Beweis trat jetzt das Theater Bremen an mit der Uraufführung des Auftragswerkes «All diese Tage», einer «Zeitoper» von Moritz Eggert. In dem Stück geht es um Alltagsgeschichten. Die Librettistin Andrea Heuser hat sie aus Gesprächen herausdestilliert, die sie mit Bremer Jugendlichen führte – um mehr zu erfahren über deren Lebenswirklichkeit, über Sehnsüchte, Träume, Wünsche und Hoffnungen.
Daraus gestaltete sie eine Art Bilderrevue, die Einblicke gewährt in unterschiedliche soziale Schichten, in Sorgen und Nöte des ganz normalen, ungeschönten Lebens. Eine Art Neo-Verismo streben Eggert und Heuser an, der sich hart abgrenzt von den schicksalhaften Überhöhungen, denen man so oft in der Oper begegnet.
Der Komponist, bekannt unter anderem durch sein «Fußballoratorium» zur WM 2006 und durch die mit Christoph Schlingensief verfasste Oper «Freax», hat zu diesem Zweck eine anti-avantgardistische, eingängige, stark rhythmisch ausgerichtete Musik geschrieben, die mit ihrer Mixtur unterschiedlicher Stilebenen aus Pop, Jazz, Rap, Folklore und Musical, aber auch aus Elementen der klassischen großen Oper mit Chor und Sinfonieorchester unmittelbar ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Gerhart Asche
Das Saarbrücker Staatstheater feiert als einziges Opernhaus im deutschsprachigen Raum (Amsterdam, London und Bologna waren da aufmerksamer) den 60. Geburtstag von Wolfgang Rihm mit einer großen Opernproduktion. Kein Zufall. Zum einen haben die Theatermacher am westlichen Rand der Republik in der zu Ende gehenden Ära von Operndirektor Berthold Schäfer eine...
Da ist nachgedacht worden. Man merkt es dem Programmbuchgespräch an, dass Regisseur David Pountney über die komplizierte Editionslage von Alexander Borodins «Fürst Igor» Bescheid weiß. Denn: Verworren ist das Wenigste, was man darüber sagen kann. Gerade mal 185 der 710 Partiturseiten sind O-Ton-Borodin. Mindestens 60 Prozent der Fassung, die Nikolai Rimsky-Korsakow...
Mariss Jansons wuchs zwar in der Oper von Riga auf, wo sein Vater dirigierte und seine Mutter die Carmen sang, aber seit er ein Weltstar ist, steigt er nur noch selten irgendwo in den Orchestergraben. Zu lange Probenzeiten, das Herz, fremde Orchester... Wenn es doch klappt, dann meist in Amsterdam. Dort hat die Oper kein eigenes Orchester, und der Maestro kann sein...
