Fesselndes Hörtheater

Stéphane Fuget schließt mit «Poppea» seinen Monteverdi-Opernzyklus ab

Opernwelt - Logo

Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» aus seinem Todesjahr 1643 hat es als einzige Oper aus der Frühzeit der Gattung zu weltweiter Popularität gebracht. Das gleichermaßen theatralisch fulminante wie respektlose Libretto mit seiner amoralischen Sex-and-Crime-Story aus dem alten Rom verabschiedet die gestelzte Mythologie und wendet sich erstmals auf der Opernbühne Menschen aus Fleisch und Blut zu.

Was wir hören, ist ein exzentrisches Spiel der Emotionen und Egoismen, keine steife Opera seria im Stil des Hochbarock mit einer Endlosschleife von Da-Capo-Arien, sondern ein musikalisiertes Schauspiel, in dem das recitar cantando, ein Deklamieren zwischen Rezitation und Singen, den Ton bestimmt. Der geht über das gewöhnliche Sprechen hinaus und verbleibt doch unterhalb des Gesangs.

Ausgangspunkt für den Dirigenten Stéphane Fuget ist nicht mehr der klassische Belcanto, nicht der «schöne», sondern der charakteristische Gesang, der sich nicht an die sklavische Wiedergabe der Noten hält, sondern das Wort über den Ton stellt. Und das in einer Radikalität, deren Konsequenz zunächst verblüfft, dann überzeugt und schließlich in ihrer Wirkung fast vier Stunden trägt, die das Stück hier in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 32
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Alles oder nichts

Wie fang’ ich nach der Regel an?» – so wohl mochte sich Fulvio Adamo Macciardi mit den Worten des Walther von Stolzing gefragt haben, als er seine erste Spielzeit als Intendant des Teatro di San Carlo plante. Schließlich war der Berufung des Kulturmanagers an das Traditionshaus in Neapel eine auch für italienische Verhältnisse ungewöhnlich chaotische Politposse...

Ein bedeutender Augenblick

Ein Bild und seine Geschichte – mit diesem Untertitel hat der Verlag Schirmer/Mosel eine Reihe von schmalen Bändchen versehen, in dem ikonische Momente der Zeitgeschichte, Kunstwerke mit außerordentlichem Subund/oder Kontext vorgestellt werden. Dazu gehören bislang etwa die von Barbara Klemm festgehaltene Öffnung des Brandenburger Tors in Berlin am 22. Dezember...

Geschnippelt und geklebt

Satte 81 Jahre alt ist Peter Konwitschny, und noch immer bereitet es ihm Bauchschmerzen, dass ein Großteil der Opern im Repertoire auf frauenfeindliche Texte komponiert wurde, für die man «sich schämen sollte», wie es der  Regisseur im Instagram-Interview der Bonner Oper zu Protokoll gibt. Weil er aber als Sohn eines großen Dirigenten die Musik leidenschaftlich...