Gefährliche Seilschaften

Berlins Off-Musiktheater bebt: Nico and the Navigators verknüpfen Müllers dystopisches Endspiel «Quartett» mit Janáčeks Streichquartetten, Hauen & Stechen üben sich in phantasievoller Kapitalismusschelte

Opernwelt - Logo

Die Vorstellung ist wirklich zu schön, um wahr zu sein: «Mann und Weib und Weib und Mann / reichen an die Gottheit an.» Schon in der Bibel, wo der Herr im Himmel bekanntermaßen eine führende Rolle spielte, taten sich viele Jahrhunderte zuvor erhebliche Zweifel an Schikaneders anachronistischem Liebeskonzept auf; bei Matthäus 5, 28 finden wir sowohl den konkreten Anlass, als auch die allgemeine Begründung dafür: «Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.» 1001 berührt, 1001 ist viel geschehen.

Und wer wüsste dies besser als der Viconte Valmont und seine Freundin, die Marquise Merteuil, das dämonisch-diabolische Duo aus Choderlos de Laclos’ Briefroman «Liaisons dangereuses» von 1782, dem Heiner Müller 200 Jahre später, in seinem Schauspiel «Quartett», die Ehre erwies, um es in eine dialektisch dichte Dystopie umzuwandeln, in der sich die Schreckensregression zur Faszination verkehrt. Es gibt wenige Theaterstücke, die derart zynisch, nihilistisch und in ihren Dialogen so bes -tialisch inhuman sind wie dieses. Und noch weniger, in denen, wie hier, jedes Fragezeichen durch einen Punkt ersetzt ist. Sämtliche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Aufleuchtende Details

Nein, es ist nicht der Dichter, der spricht. Es ist der Komponist. Leise, eindrücklich, leicht schnarrend klingt seine Stimme, und was sie sagt, reicht tief, zum Kern (und in die Katakomben) der Condition humaine. György Kurtág rezitiert Gedanken des ungarischen Reformators, Philosophen und Sophokles-Übersetzers Péter Bornemisza, es ist der Prolog zu einer 2017 in...

Die Sonne leuchtet allen

Donnerstagmittag, 14:00 Uhr, es wird zeitgenössisches Musiktheater aufgeführt, und das Haus ist ausverkauft. Die Dresdnerinnen und Dresdner scheinen eine Verdauungsoper nach dem Mittagessen zu schätzen (selbst im Weihnachtsstress wenige Tage vor dem vierten Advent), vielleicht hat sich in der Stadt aber auch herumgesprochen, dass es mit Hans Abrahamsens «The Snow...

TV, Streams, Kino 2/26

arte
001.0. – 17.30 Uhr La Folle Journée de Nantes 2026 – Flüsse
Die Konzerte der «Folle Journée de Nantes» in der Cité des Congrès der Loire-Stadt stehen jedes Jahr im Zeichen einer bestimmten Epoche, eines Künstlers oder einer speziellen Thematik. Für das Festival 2026 nimmt die «Folle Journée de Nantes» das Publikum mit auf eine Reise um die Welt, die entlang...