Heimatlos und (fast) vergessen
Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten. / Das heißt doch Auswanderer. / […] Wir flohen. / Vertriebene sind wir, Verbannte. (Bertolt Brecht)
Rund 400.000 der Anfang 1933 in Deutschland lebenden Juden waren deutsche Staatsbürger, dazu kamen etwa 120.000 meist polnischstämmige Einwohner mit längeren Aufenthaltstiteln. Nach der Machtübernahe der Nazis gelang es 300.000 von ihnen durch Flucht und Exil, ihr Leben zu retten. Am 7.
April 1933 hatte der Reichstag das «Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums» verabschiedet; Paragraph drei lautete: «Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen.» Unter ihnen waren viele Künstler, man schätzt 8.000. Damit verloren Schauspieler, Sänger, Regisseure, Komponisten und Instrumentalisten mit einem Schlag ihre Positionen. Unter den Dirigenten waren die prominentesten Bruno Walter und Otto Klemperer. Ihnen gelang es, ihre Karrieren im sicheren Ausland fortzusetzen. Doch nicht alle Musiker hatten das Glück. Sie starben in den Konzentrations -lagern oder nahmen sich, wie der nach Belgien geflohene Leipziger Generalmusikdirektor Gustav Brecher – er hatte die Uraufführungen von Kreneks ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Götz Thieme
Wenn Gennaro und seine Kumpels beim Fest im Palast der Fürstin Negroni ausgelassen dem Madeira zusprechen, tänzelt die Musik triolisch federnd und in ausgelassenem C-Dur. Das sollte zumindest so sein im zweiten Akt von Donizettis Melodramma «Lucrezia Borgia». In der akustisch mehr als befriedigenden Ausweichspielstätte OPAL des Nationaltheaters Mannheim scheint dem...
Der Tod kommt in Puccinis «La Bohème» erbarmungslos schlicht daher: ein knapper Harmoniewechsel ohne Trost und Verklärung. Als Mimì stirbt, fällt sie einfach vom Stuhl und bleibt zusammengekrümmt in der Mitte der Bühne liegen. Rodolfo und seine Künstlerfreunde werden in Hans Walter Richters Inszenierung mit der gesamten Kulisse von ihr weggerissen und ins...
Wie fang’ ich nach der Regel an?» – so wohl mochte sich Fulvio Adamo Macciardi mit den Worten des Walther von Stolzing gefragt haben, als er seine erste Spielzeit als Intendant des Teatro di San Carlo plante. Schließlich war der Berufung des Kulturmanagers an das Traditionshaus in Neapel eine auch für italienische Verhältnisse ungewöhnlich chaotische Politposse...
