Die Hoffnung stirbt zuletzt
Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und Wiedergänger gerieren. Sartres «Huis clos» ist nahe, aber auch «Night of the Living Dead». Doch davon später.
Zunächst folgen wir Bertrand de Billy und den Wiener Symphonikern beim Zelebrieren des Vorspiels, das im Kontrast zum Bühnendekor ein nostalgisches Rokoko beschwört. Zierlich und elegisch, zugleich mit reifer Süße kommt das berühmte Sextett daher, ein ZuckerWatteau gewissermaßen, was uns unwillkürlich an Marie Antoinette denken lässt. Wird der Gattin Louis’ XVI. doch nachgesagt, auf den Hinweis, die Armen hätten kein Brot, entgegnet zu haben, «dann sollen sie eben Kuchen essen». Ob wirklich sie dies sagte, ist zweifelhaft; auf jeden Fall aber spiegelt das Zitat jene zynische Realitätsflucht des Ancien Régime, die auch Marie Antoinette schließlich den Kopf kostete. Mit seinem im Rokoko angesiedelten, 1942 ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché
Ist Braunschweig das neue Bielefeld? Das Staatstheater zeigt sich seit einiger Zeit ähnlich neugierig wie das Bielefelder Haus unter John Dew, der in den 80er- und frühen 90er-Jahren die einstige Seidenweber-Stadt mit Opernentdeckungen in die Feuilletons auch überregionaler Blätter brachte. In Niedersachsen liegt der Schwerpunkt dabei auf angelsächsischen Themen –...
War im 19. Jahrhundert das Kunstlied noch eine jener musikalischen Gattungen, der sich nahezu alle Komponisten mit stetem Eifer und großer Resonanz widmeten, kam es in den 1920er-Jahren zusehends aus der Mode. Der radikale gesellschaftliche Wandel, das Verschwinden des bürgerlichen Salons wie auch der Aufbruch in neue stilistische Sphären jenseits der Romantik...
Philippe Boesmans ist nicht der erste, aber der bislang erfolgreichste Komponist, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne brachte. Das «erektiefste» Stück , so das Bonmot des Schnitzler-Freundes Richard Beer-Hofmann, das bei seiner Uraufführung einen Theaterskandal auslöste, bietet mit seiner Variationsstruktur des Immergleichen – zehn Paare finden sich...
