Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nachdenken über den späten Strauss: Tatjana Gürbaca inszeniert im Theater an der Wien «Capriccio» als Schlachtfeld der Geschichte, Bertrand de Billy dirigiert ohne Pathos

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Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, ­sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und Wiedergänger gerieren. Sartres «Huis clos» ist nahe, aber auch «Night of the Living Dead». Doch davon später.

Zunächst folgen wir Bertrand de Billy und den Wiener Symphonikern beim Zelebrieren des Vorspiels, das im Kontrast zum Bühnendekor ein nostalgisches Rokoko beschwört. Zierlich und elegisch, zugleich mit reifer Süße kommt das berühmte Sextett daher, ein ZuckerWatteau gewissermaßen, was uns unwillkürlich an Marie Antoinette denken lässt. Wird der Gattin Louis’ XVI. doch nachgesagt, auf den Hinweis, die Armen hätten kein Brot, entgegnet zu haben, «dann sollen sie eben Kuchen essen». Ob wirklich sie dies sagte, ist zweifelhaft; auf jeden Fall aber spiegelt das Zitat jene zynische Realitätsflucht    des Ancien Régime, die auch Marie Antoinette schließlich den Kopf kostete. Mit seinem im Rokoko angesiedelten, 1942 ...

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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché

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