Fahlfarben
Verfügen möge sie über ihn. Deutliche Beweise der Freundschaft kündigt er der Trojanischen Prinzessin gar an. Und missversteht doch den emotionalen Ausnahmezustand Ilias: Eine Vorahnung des «La ci darem la mano» blitzt da auf. Idomeneo und Ilia, auch das wäre eine Möglichkeit. Aufreizend gedacht ist das, prickelnd, und auch so inszeniert. Mehr wünscht man sich von solchen Subtilitäten, die letztlich aber Implantate bleiben in einer Aufführung, die sich Mozarts wildem, musikalisch verschwenderischen Antikendrama auf eigentümliche Weise nähert.
Apropos eigentümlich: Die Strichmännchen, die Cartoons, die Video-Animationen kennt man ja von Falko Herold. Ohne die wären David Böschs Inszenierungen nur halb so charmant.
Auch beim «Idomeneo» funktioniert das. Was bisher geschah, wer mit wem, was es auf sich hat mit den verfluchten Artriden – all dies wird am Staatstheater Nürnberg gezeigt als düstere «Sendung mit der Maus» für Erwachsene. Distanz schafft das, Ironie, manchmal passieren verzichtbare Doppelungen. Ein dunkles Märchen ist dieser «Idomeneo», der sich eher von Situation zu Situation hangelt, statt durchgehende Plausibilität zu entwickeln. Was als poetische Endzeit-Spielerei ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Markus Thiel
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